Awn's Traum [1]



Awn's Träume sind Auszüge eines Romantasy Romans den ich schreibe.
Von Zeit zu Zeit werden weitere Träume erscheinen, die sie langsam auf die Wahrheit aufmerksam machen.



Verzweifelt lief ich zum Dorf zurück, denn von meinem Felsen aus hatte ich es gesehen. Ich hatte es gesehen! Und ich musste wissen, wie es Ma ging. Wie es Mya und Twyg und all den anderen ging. Ich hoffte so sehr, dass es sie alle noch nicht erreicht hatte. Hinter mir winselten die Kyrre in erbärmlichen Lauten. Auch sie wollten fort,
wollten fliehen. Ich konnte es ihnen nicht verdenken. Sie spürten, dass etwas nicht stimmte und ich hatte die Gewissheit. Also lief ich zurück und öffnete ihr Gatter. Sie stürmten sogleich aus dem Gehege, sprangen an mir vorbei, über mir hinweg und rempelten mich an. Ich fiel zu Boden, prallte hart auf. Mein Kopf schmerzte, er dröhnte geradezu. Doch ich rappelte mich auf und lief zurück zum Dorf. Mir war schwindelig und ich glaubte jeden Moment zusammenzubrechen. Dennoch kam ich Zuhause an. Dort war es ruhig. Zum Glück! Es schien das Dorf noch nicht erreicht zu haben. Ich lief in unser Haus. Ma stand an der Feuerstelle und kochte. Ich wollte sie wegzerren, flehte sie an mit mir zu kommen, doch sie weigerte sich, erklärte mich für verrückt. Nichts würde geschehen, das bildete ich mir alles nur ein. Ich lief nach draußen. Mya und Twyg spielten im Dorf. Ich wollte sie mit mir nehmen. Sie durften das nicht erleiden. Doch ihre Mutter schlug mir ins Gesicht. Ich solle ihre Kinder ein für alle Mal in Ruhe lassen. Dann nahm sie die beiden bei der Hand und ging. Die Kinder sahen zu mir zurück, traurig. Ich konnte nichts tun. Niemand hörte auf mich. Niemand hörte mir überhaupt nur zu. Auch die anderen Dorfbewohner gingen an mir vorüber und spotteten. Ich sank auf die Knie. Was geschah hier? Warum war nur ich in der Lage das zu begreifen? Ich vergrub das Gesicht in den Händen. Tränen rannen über meine Wangen, über die Finger und fielen in den Sand.
„Habe ich es dir nicht gesagt? Wir hätten fortgehen sollen! Aber du hast nicht auf mich gehört. Jetzt ist es zu spät!“
Ich sah auf. Das Dorf war verschwunden. Der Boden unter mir war erdig, von Felsteilen durchzogen. Vor mir stand Yorig. Wir waren an dem Ort, an dem wir uns das letzte Mal sahen, an dem ich ihn geschlagen hatte und fortgelaufen war. Er sah mich vorwurfsvoll an. Er sah anders aus als sonst. Seine früher so reinweiße Haut war trübe geworden, grau. Seine Augen verblasst. Das leuchtende Gold war aus ihnen gewichen. Sie wurden grau. Alles wurde grau. Auch sein Haar. Er sah alt aus. Ausgezehrt. Gebrechlich. Von Pein gezeichnet. Vor meinen Augen löste er sich auf. Sein Körper flog einfach so hinfort, vom Wind getragen, feiner Staub. Asche gleich. Er verging. Zurück blieb nichts als ein Skelett.
„Es ist zu spät.“
Der Wind trug die Worte hinfort, bis sie nichts weiter als eine Erinnerung waren.

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