mop Geschichtenliebe: Awn's Traum [3]

Awn's Traum [3]



Ich sah eine Frau, eine Yunya. Sie stand in Flammen. Ihr langes weißes Haar brannte bis auf die vernarbende Kopfhaut nieder. Ihre Arme waren gefesselt, doch selbst die Seile brannten. Wehmütig sah sie in die Menge. Eine Menge aus Yunya, Männer wie Frauen, die sie beschimpfte, bespuckte, mit Steinen bewarf.
Verräterin!“
Unwürdige!“
Ehrloses Weibsstück!“
Sie lächelte schwach. Ihre Lippen bewegten sich, formten ein Wort, einen Satz, doch ich konnte ihn im Getose der Meute nicht verstehen. Ich drängte mich weiter nach vorn. Jemand schubste mich bei Seite, doch ich ging weiter. Ich wollte zu dieser Frau. Eine einzelne Träne rollte über ihre rußgeschwärzte Wange. Dann stieß sie jemand in den Abgrund. Sie stürzte in die Tiefe. Kuyas heiligen Abgrund. Das letzte was ich von ihr sah, war der Schleier aus Flammen, den sie hinter sich her zog. Ich schrie. Unweigerlich begann ich zu schreien.
Nein!“
Ich streckte den Arm nach ihr aus, lief ihr nach, doch sie war fort. Im Dunkeln des Abgrunds konnte ich sie nicht mehr sehen. Weder ihren leblosen Körper noch den Schein des Feuers. In dem Moment verlor ich den Glauben an alles, das ich kannte. Und die Leute, sie schienen völlig desinteressiert. Niemand beachtete mich. Die Menge löste sich auf, verstreute sich in alle Richtungen, ließ mich allein zurück.
Sie war noch so jung.


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