Für immer fort?



Eben noch hatten wir ausgelassen geredet und miteinander gelacht. Dann sah ich sie, diese Person, dieses Mädchen. Das kleine Mädchen. Seine weichen braunen Locken. Die unschuldigen Augen. Das war unmöglich! Mein Kopf dröhnte. Er pochte und hämmerte. Mir wurde schwindlig. Fingerspitzen bohrten sich in meine Kopfhaut. Übel. So übel. Auf einmal wurde mir schwarz vor Augen. Und ich sah sie.

Bruder!“

Ihr Lächeln war bezaubernd, atemberaubend schön. Es wärmte mein Herz. Nichts konnte mich so sehr beruhigen, wie ihr Anblick. Ihr Lächeln. Ihre strahlenden Augen, die mich ansahen. Ihre Umarmung.

Lass uns spielen!“

Sie lief fort. Weg von mir. Lachend. Das lange Haar wehte hinter ihr her. Ich wollte ihr nach laufen. Folgen. Bei ihr sein. Sie schützen. Ich lief, rannte. Doch sie entfernte sich immer weiter. Dann war da Feuer. Urplötzlich. Alles brannte. Lichterloh. Ich schrie. Schrie ihren Namen. Suchte nach ihr. Rannte dem entgegen, doch erreichte es nie. Als bewegte ich mich auf der Stelle, so fühlte ich mich. Es war hell, so hell. Ich konnte nichts sehen. Konnte sie nicht finden. Sie war fort. Überall Flammen! Es fraß alles, ihm in den Weg kommende. Gnadenlos. Ohne Hoffnung. Ich hatte sie enttäuscht. Mutter. Vater. Es tut mir leid. Ich hatte meine einzige Aufgabe vermasselt. Meine Schwester...

Marie!“

Ein Schrei. Herzzerreißend. Voller Leid und Selbsthass. Ich öffnete die Augen. Mein Atem ging keuchend. Meine Hände waren von einem Schweißfilm überzogen. Alle starrten mich an. Doch ich sah sie an. Dieses Mädchen. Sah in ihre unschuldigen Augen. Sie funkelten mich an. Ein Lächeln. Das war nicht Marie. Nein. Meine Schwester war tot. Verbrannt. Fort. Für immer.
Ich spürte, wie ich fiel. Meine Sinne schwanden. In Trance wollte ich nach ihr greifen, meiner toten Schwester, die sie dort stand. Das warst du doch, oder Marie? 

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