Cerens Welt - Kapitel 2.1




„Habt ihr schon gehört? Die Arhun haben ein weiteres Dorf angegriffen! Sie sollen sich der Stadt nähern. Wie soll das nur weiter gehen...“
„Die Dörfer nahe der Berge leben in ständiger Angst, bald müssen wir das auch.“
„Es heißt die Dörfer an den Schwertern, leben gar nicht mehr. Sie sollen komplett menschenleer sein. Diese Monster haben jeden von ihnen gefressen!“
Der Dorfplatz war gut gefüllt, als wir ihn betraten. Die selbe elendige Diskussion, die die Leute jede Woche führten. Immer hieß es, wir wären die Nächsten, bald wären wir fällig, seit Jahren. Doch nie geschah etwas. Arhun in den Schwarzen Gebirgen nisteten und sich nur zum Jagen dort hervor wagten. Es gab genug Dörfer nahe ihrer Verstecke. Genug um dass sie sich nicht soweit in die Ebene wagen mussten. Und das taten sie auch nicht. Niemand hatte je einen von denen zu Gesicht bekommen. Wir wussten nicht einmal wie sie aussahen. Dennoch gab es regelmäßig eine Zusammenkunft, in der besprochen wurde, wie wir vorgehen würden bei einem Angriff.
Früher habe ich ihnen beigewohnt, mittlerweile jedoch bin ich sie leid geworden. Neue Erkenntnisse gewannen sie ja doch nie und die geplanten Vorgehensweisen blieben auch stets die selben. Lauft zum See, versteckt euch im Wasser. Etwas besseres fiel ihnen nicht ein. Als ob uns das retten würde. Auch die Kinder interessierten sich wenig dafür. Den ersten paar Versammlungen wohnte jeder bei, doch langweilte es bald jeden. Die einzigen die man jedes mal auf dem Platz antraf, waren die Alten.
„Ceren, Junge! Willst du nicht zu uns kommen?“, rief da jemand aus der Menge und drängte auf mich zu.
„Großmutter Katha, wie geht es dir? Nein, ich habe noch zu tun. Nächstes Mal vielleicht.“
„Aber das sagst du doch jedes mal, Junge“, erwiderte sie mit gesenktem Blick. Mit ihren liebevollen Dackelaugen sah sie zu mir auf. Niemand konnte diesem Blick wiederstehen. Man sollte meinen das wäre eine Taktik, die kleine Kinder anwenden, wenn sie etwas möchten. Doch meine Großmutter Katha war unschlagbar darin.
„Geht schon mal vor“, sagte ich zu Lina und folgte dann Katha.
„Was gibt es Neues?“, fragte ich sie ganz nebenbei.
„Hast du es noch nicht mitbekommen? Eines der Dörfer an den Bergen soll ausgemerzt worden sein und die Arhun wurden nahe der Stadt gesichtet.“
„Ja! Sie nisten sich in den umliegenden Dörfern ein und zwingen die Bewohner ihnen Unterschlupf, Nahrung und Dienste zu bieten. Sie fordern Schweinefleisch und Salate. Niemand versteht was dort vor sich geht“, warf Gerret von der Seite ein. Bei diesen Informationen wurde ich hellhörig, denn das war in der Tat etwas Neues.
„Die Stadt ist nicht weit von uns entfernt“, merkte ich an, „Diesmal ist die Situation wohl wirklich Besorgnis erregend.“
„Wir sollten uns wappnen!“, rief Gerret und Großmutter Katha stimmte ihm kopfnickend zu. Ausnahmsweise hatten sie damit auch Recht. Ich beschloss an den Zusammenkünften von nun an wöchentlich teilzunehmen. Vorsichtig schob ich mich an den Katha und Gerrit vorbei, um mich auf die Suche nach Lina zu machen.
Sie brachte gerade die Kinder jeweils zu ihren Eltern zurück. Vor Sarinas Haus blieb ich stehen und griff nach Linas Schulter. Erschrocken drehte sie sich um, reagierte jedoch erleichtert, als sie mich sah.
„Erschreck mich doch nicht immer so!“, kicherte sie und gab mir einen leichten Schlag. Ihre Augen strahlten. Ich lächelte sie an und brachte die letzten beiden Kinder gemeinsam mit ihr nach Hause.
„Lina, ich weiß du hältst genauso wenig von dem Getratsch der Alten, wie ich. Aber was heute zur Sprache kam, ist neu. Ich wollte, dass du es auch erfährst. Die Biester lagern vor der Stadt. Das ist nicht weit von uns. In Zukunft sollten wir auf der Hut sein.“
„Drehst du nun auch langsam durch?“, fragte sie neckisch.
„Versprich mir einfach, dass du vorsichtig bist, ja?“
„Na schön“, meinte sie, „Aber jetzt muss ich nach Hause. Ich muss beim großen Kochen helfen. Du kommst doch, oder?“


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