Cerens Welt - Prolog




Auszug aus dem Einführungskapitel der Alten Schrift: Die verkommene Art; verfasst von Meister Dheorin Grenhos; im Jahre 106 des Neuen Säkulum

Hierzulande erzählt man sich von Wesen, die unten in den Schwarzen Gebirgen und auf den Schwertern leben sollen. Abartige Kreaturen menschenähnlicher Gestalt, jedoch vollkommen entstellt. Sie sind Raubtiere, deren Körper nur auf das Jagen ausgelegt sind. Lange scharfe Krallen ragen aus ihren viel zu langen Fingern hervor und spitze Reißzähne zieren ihre Kiefer. Die Körper wirken abgezehrt, bestehen einzig noch aus Muskeln, wohl um Gewicht zu sparen. Die Arme sind unwirklich lang, die Beine hingegen sind äußerst muskulös und erscheinen eher verstümmelt, neben denen eines Menschen.

Diese körperlichen Veränderungen entstanden über Jahre. Die Natur passte diese Wesen an die Jagd an, die ihnen bis dahin nicht gebräuchlich gewesen war. Sie sind schnell und wendig, sowohl im Feld als auch im Wald. Nur nicht besonders ausdauernd heißt es.
Man sagt auch, sie seien zu den Urinstinkten eines Tieres zurückgekehrt. Ich selbst bin mir, was das angeht, jedoch unsicher. Eines weiß ich allerdings mit Gewissheit: Wie es dazu kam.
Diese Wesen, die wir als Arhun bezeichnen, waren einst ein Teil unserer Gesellschaft, Menschen. Das jedoch liegt viele Jahrhunderte und Generation in der Vergangenheit. Ihr Schicksal besiegelten sie jenem Tag, da sie beschlossen sich nur noch von einer Quelle zu ernähren: Anderen Menschen.
Sie wurden zu Kannibalen und lebten, ja gar zelebrierten ihren neuen Lebensstil. Damit stießen sie sich selbst aus dieser Gesellschaft aus. Unsere Vorväter verbannten die Unwürdigen in die Weiße Wüste, lange bevor sie mutiert waren. Dort sollten sie der Hitze und dem Hungertod erliegen, was sie jedoch nicht taten. Sie schleppten sich, der hohen Sonne zum Trotz, durch die Wüste bis hin zu den Schwertern, wo sie Wasser und Höhlen fanden. Und Futter.
Die uns bekannte Welt endet mit den ersten Ausläufern des Schwarzen Gebirges. Über alles, was sich jenseits dessen erstreckt, können wir nur spekulieren. Da man die Volumner jedoch seither nicht wieder in der bekannten Welt gesichtet hat, vermutet man jenseits der Schwerter weiteres menschliches Leben. Völker die ihnen zum Opfer fallen, ihnen als Wild dienen.

Einst ersuchte mich ein ausgemergelter Wandersmann mit einer Geschichte so unglaublich, dass sie wahr sein könnte. Er berichtete von seiner Reise in die unbekannte Welt und was er dort beobachtete. Dörfer und Städte verteilten sich über eine Ebene aus grünem Meer. Von den Bergen hoch oben konnte er sie alle sehen, bis hin zum Horizont. Die Menschen die dort lebten, sprachen oft von unheimlichen Wesen, die sie heimsuchten, jagten und brutal ermordeten, geradezu rissen, wie wild gewordene Raubtiere. Doch sie seien intelligent und äußerst selbstgefällig. Man lebte in ständiger Angst vor dem Feind und unablässiger Erwartung auf den nächsten Überfall.
Aus diesem und ähnlichen Berichten beziehen wir heute unser einziges Wissen über die Arhun und deren noch immer bestehende Existenz.



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