mop Geschichtenliebe: Cerens Welt - Kapitel 2.5

Cerens Welt - Kapitel 2.5




„Aber, aber.“
Mutter Irena kam in die Stube und auf uns zu. Noch während des Gehens flocht sie ihr langes braunes Haar zusammen, legte es sanft über die Schulter. Sie beugte sich zu Nayeli herunter und schenkte ihr einen warmherzigen Blick, reichte ihr die Hand und lächelte, als meine Schwester diese zögerlich annahm. Mutter setzte sie auf einen Stuhl und reichte ihr einen Becher warmen Gebräus, das sie schon etwas länger vor sich hin kochen gelassen hatte.
„Du wirst noch lernen, sie zu mögen“, sagte sie warm. Nayeli starrte sie nur mit großen Augen an. Wenn man die beiden so sah, konnte man kaum glauben, dass sie oft im Zwiespalt lagen. Nayeli trank einen Schluck und blickte dann beschämt zu Boden. Mutter streichelte ihr den Kopf und wandte ich erneut der Treppe zur oberen Ebene zu, aus der sie eben erst gekommen war.
„Sei so gut und sieh nach deinem Bruder, ja?“, bat sie mich über die Schulter hinweg, bevor sie die Stufen empor stieg und uns zurück ließ.
„Ich nehme an, du möchtest nicht mitkommen?“, fragte ich meine Schwester. Die schüttelte nur wieder den Kopf und warf mir einen zornigen Blick zu. Ich sah sie fragend an. Sie holte tief Luft, bevor sie sprach.
„Warum geht es immer um Josen? Immer lasst ihr mich allein, um nach ihm zu suchen oder ihn zu schimpfen oder so was. Das ist gemein!“
„Wusstest du, dass er das selbe über dich sagt. Ihr solltet euch vertragen. Keiner von euch beiden wird dem anderen vorgezogen, glaub mir, ich hab euch beide gleich gern“, versicherte ich ihr mit einem Lächeln und trat erneut in den Regen. Bei einem Blick zurück sah ich sie mit gesenkten Haupt dort sitzen und in ihren Becher starren. Seufzend machte ich mich auf zum See.
„Ceren! Ceren! Fang ihn! Na los!“, rief Josen mir zu, als er mich sah und rannte sogleich mit ausgestreckten Armen an mir vorbei. Tilo, Melena, Luan, Keno und Juna folgten ihm lachend. Nachdem sie mich zweimal umkreist hatten, erkannte ich, was sie jagten. Ihnen voraus hüpfte ein kleiner grüner Frosch durchs Gras. Diese Kinder. Ich war genauso.
„Komm schon, Bruder“, forderte Josen mich erneut auf. Er blieb kurz stehen, sah mich bittend an, stolperte jedoch sogleich weiter, als die anderen ihn fast umrannten. Ich war noch immer so! Mit einem Satz folgte ich ihnen, überholte jeden Einzelnen und lief neben meinem Bruder her.
„Na, wer bekommt ihn zuerst?“, stachelte ich ihn an.
„Ich!“, rief er siegessicher und nahm den kleinen Hüpfer ins Visier. Mit einem gekonnten Sprung preschte er auf das Tier zu und jubelte, als er ihn in Händen hielt. Lachend wälzte er sich im Gras.
„He, Josen.“
Er sah mich neugierig an und ich deutete auf den Frosch, der von ihm fort sprang. Irritiert begutachtete er seine Hand und den darin befindlichen matschigen Erdklumpen, den er prompt von sich stieß und auf allen Vieren dem Ausreißer nachjagte. Lachend folgte ich ihm. Nach ein paar weiteren Runden am Ufer entlang, um den großen Baum herum, zwischen den anderen hindurch, über Hügel und Steine, waren wir mit Schlamm bedeckt und nass bis auf die Knochen. Nur der Frosch trieb weiter sein Unwesen.
„Mit einem entschlossenen Griff aus dem Hinterhalt gelang es mir schließlich doch ihn zu fangen. Begeistert betrachtete ich ihn. Ein hübsches Exemplar, moosiges Grün, ein paar dunkle Flecken und... Moment. Ich drehte ihn auf den Rücken, auf die Seite, nahm ihn an den Füßen, stupste ihn mehrmals an. Das Vieh bewegte sich nicht mehr. Der war tot. Wie konnte das sein? Ich hatte ihn doch gerade aus dem Sprung heraus gefangen.
„Hast du ihn etwa erwischt?“
Melena sah mich mit großen Augen an und auch die anderen Kinder kamen staunend auf mich zu. Erschrocken versteckte ich den Frosch hinter meinem Rücken.
„Nein, er ist mir entwischt“, meinte ich enttäuscht.


Weiter

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen