mop Geschichtenliebe: Cerens Welt - Kapitel 2.8

Cerens Welt - Kapitel 2.8




Ich wollte schreien. Einfach nur losschreien, all die Verzweiflung. Doch aus meiner Kehle löste sich kein Laut. Hektisch krabbelte ich Richtung Tür, stieß sie auf und stolperte aus dem Schlag. Es überschlug mich und ich landete im Dreck. Ysaras Tränen weichten die Erde weiter auf, prasselten plätschernd in die Pfützen und auf mich nieder. Erschöpft beobachtete ich sie.
Tot. Durch mich. Durch meine Hand. Konnte das sein? Lebewesen starben, weil ich sie berührte? Ich konnte kaum daran denken, kaum auch nur einen klaren Gedanken fassen. Das war Schwachsinn! Es musste Schwachsinn sein! Alles andere könnte ich nicht ertragen.
Eine Träne floss mir übers Gesicht. Zwei. Drei. Sie mischten sich mit den Tränen unserer Göttin. Ich weinte. Verzweiflung und Angst hatten mich vollkommen eingenommen und zehrten sich an meinem Fleisch und meinem Geist. Sie zerrten mich hin und her. Drohten mich zu zerreißen. Und ich lag still daneben und beobachtete den Regen. Sollten sie doch machen.
Mühsam richtete ich mich auf. Meine Finger versunken im weichen Schlamm, als ich mich aufrappelte. Dort drüben lag ich und wurde zerfleischt von Monstern. Doch ich ließ mich zurück, wandte mir den Rücken zu und stieg erneut in den Schlag. Den Korb klemmte ich mir unter den rechten Arm, mit der Linken packte ich unser Essen bei den Füßen und zog es mit hinaus.
Die Haustür drückte ich mit der Schulter auf und streckte, drinnen angekommen, Vater Akair das Huhn entgegen. Er stand gerade genau neben mir. Verwirrt und überrascht sah er mich, nahm das Tier jedoch entgegen. Mutter Irena drückte ich den Korb in die Hände. Dann hielt ich inne. Nayeli saß noch immer einsam auf ihrem Stuhl vor dem Kamin. Sie sah mich ängstlich an. Großvater Aron saß bereits am Tisch, mit einer Miene so zynisch wie eh und je. Ich steuerte auf die Treppe direkt gegenüber der Tür zu und ließ dabei Aron rechts von mir und die anderen drei links von mir vorüber ziehen. Der Schein des Kamins und der Kochstelle verblassten langsam, je weiter ich empor stieg.
Schließlich ließ ich mir vor meinem Bett auf den Boden sinken. Wasser und Schlamm bildeten kleine braun glänzende Lachen unter mir. Die von Erde verklebten Haare hingen mir strähnig ins Gesicht. In diesem Moment realisierte ich, dass ich nicht Lebewesen hatte getötet und sterben sehen, sondern mich selbst. Und es würde kein Ende nehmen. Ich würde mich jeden Tag aufs Neue ermorden.



Das ist das Ende dieses Kapitels. Lasst mich wissen wie es euch bisher gefallen hat :]
Und jetzt gibt es einige Fragen an euch zum weiteren und bisherigen Verlauf:

1. Gibt es Dinge, die ihr biser anders haben möchtet? Seien es Kleinigkeiten, Situationen zwischen zwei Personen oder grundlegende Umstände.

2. Die Frage, was im Dorfalltag so passieren könnte und sollte, ist immer noch aktuell und darf weiterhin beantwortet werden. 

3. Wie sollte Ceren mit seinen aktuellen Gefühlen betreffend dieser Fähigkeit weiter umgehen? Wie gibt er sich im Dorf und gegenüber der Familie; macht er weiter wie bisher und spielt etwas vor, verdrängt er das alles oder lässt er sich davon beeinflussen und resigniert vielleicht sogar?

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