mop Geschichtenliebe: Cerens Welt - Kapitel 4.3.L (Vorschläge der Leser)

Cerens Welt - Kapitel 4.3.L (Vorschläge der Leser)




Voller Entsetzen blickte ich mir entgegen. Das konnte doch nicht wahr sein! Einbildung, reine Einbildung! Ich schlug mein Gesicht mit der flachen Hand fort und sah zu, wie es sich in Wellen auflöste. Was war nur los mit mir? Kälte kroch durch meine Glieder, schleichend aber zielstrebig, ergriff meinen Körper und vernebelte meine Sinne. Lüge!
Langsam und beschwerlich schleppte ich mich vom Ufer fort, wo die Wogen sich allmählich glätteten und nur auf meine Visage warteten. Jeden Muskel musste ich davon überzeugen, seine Arbeit zu verrichten. Kein einziger wollte mir gehorchen. Es war, als hielten zu ihm, dem anderen mir.
„Es gibt kein anderes Ich! Es gibt nur mich! Mich!“, sagte ich mir vor, immer und immer wieder. Hör auf so töricht zu denken, mahnte ich mich, Du bist Ceren und niemand sonst. Ich musste fort vom Tiefgrund. Fort von allem worin ich mich spiegeln konnte. Ich wollte diese Stimme nicht mehr hören. Sie war nicht wirklich. Mein Verstand spielte mir einen Streich.
Träge setzte ich einen Fuß vor den anderen. Wohin sollte ich gehen? Nicht ins Dorf. Ich könnte es nicht ertragen, jetzt jemandem zu begegnen. Also steuerte ich die weite Ebene an. Eine Landschaft in der es nichts gab, als unendliches Grün und Bäume. Wir waren weit abgeschieden von der Stadt und anderen Dörfern. Das war gut.
Ich weiß nicht, wie lange ich gewandert war, bevor ich mich inmitten von Gras nieder ließ. Der Wind strich durch hohe Halme und wehte mir die Haare ins Gesicht. Ich genoss die Stille und die Einsamkeit. So friedlich war es lange nicht mehr gewesen.
Auf den Vorschlag eines Lesers hin.


In einem dunklen Raum, nur erhellt durch fahles Licht, das durch die Fenster drang, saß Lina an einem alten Holztisch. Ihren Kopf gesenkt über etwas das sie begutachtete. Es war still. Einzig ein leises Schluchzen war zu vernehmen. Vorsicht legte sie ihre Hand auf den Arm, den sie auf dem Tischen ruhen ließ, zuckte jedoch sofort zusammen, als Haut und Haut sich berührten.
Es war die Stelle, an der Ceren sie berührt hatte, die nun von sich verbreitendem Ausschlag übersät war und ihr so schreckliche Schmerzen bereite. Nicht nur körperlich jedoch. Sie konnte nicht begreifen, was geschehen war, was er getan hatte. Sie wollte nicht glauben, dass er sie hatte verletzen wollen.
Schmerzlich dachte sie an sein entsetztes, geradezu verstörtes Gesicht zurück. Es war nicht seine Absicht gewesen. Er war zu erstaunt darüber gewesen, als dass es gewollt sein konnte. Aber was war geschehen? Er hatte sie doch nur berührt. Eine sanfte Geste der Art, wie sie sie schon so oft gewechselt hatten. Nie war etwas derartiges passiert. Warum auch. Es war nicht natürlich.
Knarrend schob die Tür sich in den Raum. Tageslicht zwang sich hindurch und verlieh der düsteren Stimmung ein wenig mehr Leben. Schwere Schritte folgten ihm und warfen einen langen breiten Schatten auf die Dielen. Emmet sah seine Enkelin an, ruhig abwartend. Sie sah auf und erwiderte seinen Blick. Ein Moment ohne Worte, der so viel sagte, wie es nie auszusprechen sein konnte.
Emmet trat auf das Mädchen zu und hielt ihr die Hand entgegen. Sie ergriff sie und ließ sich in mächtige beschützende Arme schließen, die den Kummer der Welt von ihr fernhalten konnten.
„Es war nicht seine Schuld“, sagte sie leise, „Doch ich weiß nicht, was es zu bedeuten hat.“
Er strich ihr sanft das Haar glatt, mit einer Hand größer als ihr Kopf und begann leise vor sich hin zu brummen. Eine süße Melodie voller Sehnsucht und Melancholie entstand daraus und Lina stimmte ihr ein.
Auf den Vorschlag eines Lesers hin.

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