Cerens Welt - Kapitel 4.4




Es dämmerte bereits, als ich die ausgetretenen Pfade des Dorfes erreichte und zwischen den Häusern wanderte. Hinter den Gemäuern sah ich es hell leuchten. Als würde ein Feuer wüten. Erschöpft trottete ich darauf zu und lehnte mich an eine Hauswand. Das Dorf hatte sich versammelt. Die Zeit war verstrichen und es war wieder Tag des großen Kochens.
„Ceren!“
„Seht nur, da ist Ceren!“
Wie aufgescheuchte Hühner starrten alle in meine Richtung und kamen teils auf mich zu gelaufen.
„Junge wo warst du? Wir haben uns gesorgt.“
„Das Essen hat bereits begonnen, wärst du noch später gekommen, hättest du wahrscheinlich nichts abgekriegt“, raunte jemand belustigt. Mein Kopf dröhnte und die Welt schien sich um mich zu drehen. Der Duft von gegrilltem Lachs stieg mir in die Nase. Wie benommen folgte ich ihm. Mein Magen knurrte protestierend.
„He, ignorier uns nicht! Was soll der Mist?“
Ich nahm mir Lachs am Spieß und ließ mich auf die Erde nieder. Es duftete so herrlich. Jemand hatte ihn mariniert um sein Aroma zu verfeinern. Das Wasser lief mir bereits im Mund zusammen. Genüsslich biss ich in den Fisch und ließ ihn mir auf der Zunge zergehen. Es gab nichts auf der Welt, das so gut war, wie marinierter Lachs.
„Was ist bloß los mit dem Jungen. Seit Tagen verhält er sich eigenartig.“
„Schließt sich in seinem Zimmer ein, ohne zu essen und zu trinken.“
„Und nun verschwindet er einfach und taucht mitten in der Veranstaltung wieder auf, völlig benommen.“
„Jemand sollte mit Irena und Akair sprechen. Das ist doch kein Benehmen.“
Schmeckt gut. Aber ich habe nie verstanden, warum du das einem saftigen Steak vorziehst.“
Erschrocken sah ich mich um. Wo war er? Woher kam diese Stimme. Keron soll ihn holen! Ich würde ihm den Hals umdrehen, wenn ich je in die Finger bekam!

Ceren war ein in sich gesackter Haufen Elend, als er spät Abend ins Dorf zurück kehrte. Sein Blick war leer und seine Glieder wirkten müde. Die anderen kreisten ihn sofort ein und überhäuften ihn mit Fragen. Wo war er gewesen? Ja, das wollten wir alle wissen. Doch bekam keiner von uns eine Antwort.
Er steuerte wie Hirntot auf das große Feuer zu, schnappte sich einen Spießlachs und schlang ihn hinunter. Nach etwa der Hälfte hielt er inne. Ohne jeden Grund begann er panisch um sich zu blicken, als wäre er ein Tier, das seinen Feind gewittert hatte. Er zitterte am ganzen Leib, sodass ihm fast der Spieß aus den Fingern glitt. Verstörte Blicke trafen ihn. Niemand verstand sein verhalten. Niemand.
Lina fasste sich ein Herz und trat auf ihn zu. Sanft berührte sie seinen Arm, fast wie zur Kontrolle. Nichts geschah. Sie bekam keinen Schlag. Kein stechender Schmerz durchzog ihre Hand. Erleichtert atmete sie auf und packte Cerens Handgelenk. Sie zog ihn auf die Beine, was sie einige Anstrengung kostete und zog ihn schließlich hinter sich aus der Menge.


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