mop Geschichtenliebe: Cerens Welt - Kapitel 4.6

Cerens Welt - Kapitel 4.6




„Auch endlich wieder unter den Lebenden? Du hast uns einiges zu erklären!“
Benommen streckte ich Arme und Beine aus und kratzte mich am Hinterkopf. Was für ein seltsamer Traum. Meine Sicht war noch verschwommen, als ich die Augen öffnete. Doch sie klärte sich recht bald und offenbarte mir somit die ernsten Gesichter meiner Eltern. Erschrocken zuckte ich zusammen. Was war denn hier los? Ich blickte ratlos in die Runde. Meine kleinen Geschwister Josen und Nayeli standen hinter den beiden und beobachteten mich.
„Was ist...", wollte ich anfangen, wurde jedoch harsch unterbrochen.
„Du weißt genau was los ist! Sag uns endlich, was mit dir nicht stimmt!“
Mutter Irena war den Tränen nahe und doch konnte ich sie nur ahnungslos anstarren. Was sollte denn mit mir nicht stimmen? Und warum hatte ich auf einem Holzstuhl geschlafen? Gerade als ich mich vorsichtig umsah, fiel mir die Absurdität der Situation auf. Meine Hände waren aufgeschürft, als wäre ich kürzlich einen Baum hinaufgestiegen. Mutter Irena schwankte zwischen unbändigem Zorn und verbitterter Sorge. Vater Akair schwieg bedächtig und strenger Miene. Er hatte nichts zu sagen. Nayeli war seltsam ängstlich und hielt sich an Josens Arm fest, der mich wiederum nur leeren Blickes ansah. Ich schüttelte den Kopf langsam.
„Ich habe keine Ahnung, was du meinst“, wehrte ich mich.
„Sei still!“, sie schrie.
„Aber...“
„Kein aber! Ich will wissen, was du in den letzten Tagen getrieben hast und warum du dich so verhältst.“
„Mich verhalten? Was tue ich denn?“, fragte ich besorgt. Langsam wurde mir der Ernst der Lage bewusst. Etwas musste mit mir nicht stimmen oder zumindest glaubte meine Familie das. Aber was und warum? Warum waren meine Hände derart aufgeschürft? Und warum schmerzten meine Füße so sehr?
Das Letzte woran ich mich erinnerte war; denk nach Ceren! Wie warst du auf diesen Stuhl gekommen? Warum waren alle so wütend auf dich? Und warum konntest du dich an nichts erinnern?
Innerlich begann ich zu beben. Angst überschwemmte mich, wie eine gigantische Welle. Ich sah Wasser. Überall Wasser. Es war kalt. Es wurde immer dunkler. Die Sonne auf der anderen Seite entfernte sich immer mehr, wurde unklar, bis sie einem verblassten Schimmer von Hoffnung glich. Luft drückte sich aus meinen Lungen. Ich sah Blasen zum Licht hin steigen. Große und Kleine, sie tanzten.
„Ceren!“
Mit pochendem Herzen schreckte ich auf. Wohin war das Wasser verschwunden? Und warum saß ich auf einem Stuhl, umringt von Menschen, die mich erbost anstarrten? Ich sah zu ihnen auf. Mutter Irena. Vater Akair. Meine Geschwister. Sie wollten über mich richten.
„Bin ich...“
„Bist du was?“, schrie meine Mutter. Ich sah sie an.
„Bin ich jemals in den Tiefgrund gestürzt?“
Sie sah mich entrüstet an.
„Nein...“
Vater legte eine Hand auf ihre Schulter. Er sah mich ernsten Blickes an. Doch ich sah Trauer darin versinken.
„Als Kind warst du bereits einmal mehrere Tage verschwunden. Du wolltest uns aber nicht sagen, wo du warst.“
Meine Hände zitterten.
„Weil ich es nicht weiß. Ich wusste es nicht. Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, fort gewesen zu sein.“
Ich sah die beiden an. Mutter Irena ergriff die Hand meines Vaters und hielt sich daran fest. Sie wurde schwach. Nayeli kamen die Tränen, während sie mich mit großen Augen anstarrte und von Josen in die Arme geschlossen wurde.
„Was passiert mit mir? Was gibt euch den Grund wütend zu sein?“
Eine ehrliche Frage auf die ich nichts als eine ehrliche Antwort erwartete. Und die bekam ich. Sie sprachen. Über mein Verhalten, wie ich mich verändert hatte, dass ich mich eingeschlossen hatte und verschwunden war. Einige begannen sogar an mich zu denken, wenn es um Linas Verletzung ging, sagten sie.
„Lina ist verletzt?“
Es schien sie nicht mehr zu überraschen, dass ich davon nichts wusste. Sie sagten auch nichts, als ich die Tür hinter mir schloss, um Lina zu suchen.


Weiter

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen