mop Geschichtenliebe: Cerens Welt - Kapitel 4.7

Cerens Welt - Kapitel 4.7




„Lina!“
Ich lief auf sie zu, wie sie es sonst mit mir tat. Als sie meine Rufe endlich hörte, drehte sie sich nach mir um, wobei ihre Röcke sanft mitschwangen. Sie hielt einen Krug in Händen, den sie fester umklammerte, als sie mich erblickte. Vorsichtig trat sie einen Schritt zurück, einen ganz kleinen.
„Ceren“, erwiderte sie verwundert. Ohne ein weiteres Wort schloss ich sie in meine Arme und zog sie an mich. Ich wollte für sie da sein, sie beschützen, doch sie zuckte ängstlich zusammen unter meiner Berührung. Einen Moment später atmete sie erleichtert auf.
Ich ließ sie los, schob sie ein Stück von mir und betrachtete sie. Ihre Augen weiteten sich, sie sah bedrückt von mir ab. So war sie nicht. Nie. Immer hatte sie sich gefreut mich zu sehen. Aber nun.
Ich nahm meine Hände von ihren Schultern.
„Es ist wahr, was sie sagen.“
Es war weniger eine Frage, als eine Erkenntnis. Und Lina wagte erneut mich anzusehen. Fast dachte ich, sie würde weinen, so glasig wurden ihre Augen.
„Du erinnerst dich nicht.“
Auch das war keine Frage. Ich schüttelte den Kopf. Sanft legte sie eine Hand an meine Wange, umschloss sie voller Wärme. Ich legte die meine darüber. Eine Situation die mir so vertraut erschien.
„Es ist gut so“, flüsterte sie und trat näher. Sie legte ihren Kopf auf meiner Schulter ab und seufzte erleichtert. Doch ihre Hand schob sich sanft zitternd ihren Arm hinunter. Sie war unruhig. Ich konnte ihre Besorgnis spüren.
„Lina“, sagte ich leise, „Was hast du?“
Doch sie antwortete nicht. Stattdessen erhob sie sich auf ihre Zehenspitzen und gab mir einen Kuss. Es raubte mit den Atem. Meine Lippen begannen zu kribbeln und es durchzog meinen ganzen Körper. Sie schmeckte so frisch. Ihre Lippen waren warm und weich.
„Du bist kein schlechter Mensch, Ceren, vergiss das nicht“, hauchte sie mir zu, als sie sich von mir löste. Ich wollte noch einem Moment länger verweilen. Doch etwas in mir wollte mich nicht lassen. Langsam öffnete ich die Augen und erblickte Linas Gesicht. Ihren sanftmütigen Blick. Es zauberte mir unwillkürlich ein Lächeln auf die Lippen.
„Danke.“
Die Worte wollten kaum laut werden. So blieben sie ein zartes Beben voll Freude. Doch etwas bedrückte mich dennoch.
„Was ist mit dieser Verletzung?“
Lina schob ihren linken Ärmel ein Stück nach oben und offenbarte mir die Sicht auf große rote Flecken, deren Ränder stetig dunkler wurden. Sie verteilten und überlappten sich auf ihrem gesamten Unterarm und schienen sich sogar noch weiter zu erstrecken. Entsetzt betrachtete ich das Massaker auf ihrer Haut.
„Ist es wahr?“
Sie schwieg. Meine Hand bewegte sich zitternd darauf zu. Vorsichtig berührte ich einen der Flecken. Er fühlte sich warm an, zu warm. Und rau. Als ich zurückzog, blieb das dunkle Gewebe an der Spitze meines Fingers hänge und löste sich fasrig von Linas Arm. Erschrocken wichen wir beide zurück. Es begann zu bluten.
„Ysara mit dir, es tut mir leid!“, rief ich panisch, „Tut es weh? Was hab ich getan.“
Irrwitzige Gedanken schossen mir durch den Kopf. Dass ich Lina damit hätte töten können. Dass ich zu Grausamem fähig war, es vielleicht schon getan hatte. Meine Schläfen pochten. Schmerzen durchzuckten meine Stirn. Ich wollte zurückweichen. Doch Lina versuchte mich zu beruhigen. Sie ergriff meinen Arm und sah mich eindringlich an. Dann schüttelte sie langsam den Kopf.
„Es brennt. Aber nicht mehr, als eine gewöhnliche Schürfwunde. Keine Sorge.“
Erleichtert atmete ich auf.


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