mop Geschichtenliebe: Cerens Welt - Kapitel 6.2

Cerens Welt - Kapitel 6.2





„Sag mal“, ich sah den Mann neben mir an, „Du hast mir deinen Namen noch gar nicht verraten.“
Er grinste mich verschlagen an, bevor er den Blick wieder nach vorn richtete und seine Tiere die Zügel spüren ließ, um uns etwas zu beschleunigen.
„Kasthamor“, erwiderte er. Ich nickte. Ein Name der mir seltsam bekannt vorkam. Nur woher konnte ich nicht sagen. Ich beobachtete die Wolken auf ihrem Streifzug durch die Weiten des ewigen Blau und dachte über den Namen nach. Dass ich ihn bereits einmal gehört hatte, war ich mir fast sicher.
„Willst du mir nicht ein bisschen von dir erzählen?“
Mein Blick blieb stur an den Wolken hängen.
„Was könnte ich dir denn erzählen?“
„Wie ist dein voller dir gegebener Name? Mich ruft man Kasthamor Erughen vom roten Berg.“
„Vom roten Berg? Die Schwerter sind doch in tiefes Schwarz gehüllt. Kommt daher deine Kleidung?“, fragte ich erstaunt.
„Dein Horizont ist sehr beschränkt. Das ist er. Jenseits der Schwerter erstreckt sich ein Land, das sich selbst die bekannte Welt nennt. Eine Welt die viele Rassen und Völker beherbergt. Die Leute dort, wissen nicht um deine Existenz. Doch sie wissen um die Ihre“, sprach er und verdrehte die Augen, als er den letzten Satz beendete, „Inmitten dieses Landes erhebt sich ein Gebirge, so gewaltig wie die Schwerter. Doch sein Stein ist rot. So rot wie das Fell dieser Recken. So rot wie meine Gewänder.“
Er trug ein Schmunzeln auf den Lippen, als er davon sprach und ein vielsagender Ausdruck lag in seinen Augen.
„Du sprichst von diesem Ort, als wärst du dort gewesen. Und dieser Name.“
„Ein Name der Teeru.“
Er nickte wissentlich und grinste.
„Ein Volk von Menschen, das im Schutz des Roten Gebirges lebt. In einem Teil des Landes, der zu uneins ist, um je einen Namen tragen zu können. Stattdessen teilt man sich selbst in Gruppen, die einander verachten, um wenigstens ein gewisses Gefühl der Verbundenheit zu erlangen. Die Einen nennen sich Teeru, Stadtlebende wie ich es einer war. Dann gibt es die Ahru, ein Nomadenvolk, das in der Wüste haust. Und zuletzt die No, Naturverrückte die in Bäumen leben.“
„Ahru, sagst du? Sprichst du von den Arhun?“, brach es aus mir heraus. Der Mann jedoch lachte nur.
„Für einen wie dich mag es gleich klingen, ja. Doch zwischen diesen Worten liegen Welten. Weißt du denn, wer die Arhun wirklich sind?“
„Monster, die Jagd auf unschuldige Menschen machen!“
Wieder lachte er.
„Das mag sein, ja, doch das ist nur die eine Seite der Münze. Die Arhun, so schrecklich sie heute auch sein mögen, waren einst Menschen aus meiner Welt. Sie gehörten allen drei Gruppen an.“
„Wie konnten sie zu dem werden, wenn es wahr ist, was du sagst?“
„Nun es gab eine Zeit da verbreitete sich eine Unart in unserer Welt. Man weiß nur bedingt wo es seinen Ursprung nahm. Einige sagen, die Betroffenen wollten die Seelen der Verstorbenen in sich aufnehmen, um sie so weiter leben zu lassen. Also aßen sie deren Fleisch. Menschenfleisch. Doch die ganze Wahrheit bleibt ein Geheimnis.
Als dieser Kult sich stetig ausbreitete und vermehrte, taten die Stämme sich schließlich zusammen, um etwas dagegen zu unternehmen. Sie trieben diese Kannibalen zusammen wie Weidevieh und brandmarkten sie mit dem Wort Arhun. Anschließend brachten sie sie zum Rande der Wüste und setzten sie dort aus. Verstoßene, Verbannte, Unwürdige schimpfte man sie.
Arhun heißt Entfreite. Es bedeutet, dass diese Leute aus der ihren Gesellschaft entbunden und ins Exil verbannt wurden. Ahru hingen bedeutet frei. Menschen die an keinen Ort und kein Haus gebunden sind. Sie leben in Wanderschaft.“
Fasziniert lauschte ich seinen Worten und versuchte dabei, nicht den Anschluss zu verlieren. All diese fremdländischen Bezeichnungen verwirrten mich zunehmend.
„Ist denn nie einer von ihnen zurückgekehrt?“, fragte ich neugierig.
„Doch doch. Sehr wohl. Doch durch das Brandmal konnten sie nicht allzu weit kommen. Jeder Arhun. Der nach der Verbannung im Land gesichtet wurde, wurde öffentlich erhängt.“
Ich nickte anerkennend. Das hatte ich nicht gewusst. Wahrscheinlich wusste niemand hier, woher diese Monster plötzlich gekommen waren.
„Wir sind bald da“, verkündete Kasthamor fröhlich und deutete auf die Silhouette einer Häuseransammlung. Etwas erleichtert lehnte ich mich erneut zurück und ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Das ewige Rütteln und Schütteln hätte mich allmählich auch wahnsinnig gemacht.


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