Cerens Welt - Kapitel 8.1




Ein elendes Stöhnen konnte ich nicht verhindern, als ich des Morgens zu mir kam. Mein Körper schmerzte. Alles an ihm. Ich konnte meine Hände kaum mehr spüren. Nur ein leichtes Kribbeln war noch von ihnen übrig geblieben, wohingegen meine Handgelenke brannten wie Feuer. Die Beine fühlten sich mir leblos an. Als gehörten sie nicht mehr zu meinem Körper. Und mein Magen krampfte sich zusammen. Unangenehme Krämpfe die ich nicht mehr von Hunger oder purem Schmerz unterscheiden konnte.
Es war dunkel. Stockdunkel. Egal wie oft ich meine Augen schloss und erneut öffnete, egal wie oft ich blinzelte, egal wohin ich sah, es war dunkel. Nichts konnte ich erkennen. War es Nacht? Nein. Selbst die Nacht war nicht so dunkel wie dieser Ort.
„Kasthamor?“, raunte ich leise und musste mitanhören, wie meine Stimme kratzend abbrach. Sie versagte noch bevor ich seinen Namen ausgesprochen hatte. Mein Hals kratzte ebenfalls. Er war staubtrocken. Erst jetzt bemerkte ich wie sehr es mich dürstete. Meine Zunge war bereits matt und rau geworden, die Lippen klebten spröde aneinander. Ich fühlte mich schwach, ausgelaugt und ohne Kraft. Was war mit mir geschehen? Mein Gedächtnis wollte mir nicht das Geringste preisgeben. Nicht wo ich war. Nicht was geschehen war, wie ich dort hin gelangt war. Und nicht weshalb ich mich fühlte, als stünde ich auf des Todes Türschwelle und klopfte gerade zaghaft an.
„Wo bin ich?“
Krächzend und rau brachen die Worte in Brocken aus meinem Mund. Es gab jemanden, der mir antworten konnte. Es gab jemanden, der sich erinnern würde. Und ich dachte nicht an Kasthamor, von dem ich nicht einmal wusste wo er war. Vielleicht saß er direkt neben mir, ohne jedes Bewusstsein und ich bemerkte ihn nicht. Ich sah ihn nicht.
„Antworte!“
Ich wollte schreien, doch es schmerzte im Hals. Lange Zeit starrte ich in die Dunkelheit. Lange Zeit labte ich mich an dieser ohrenbetäubenden Stille. Selbst die Luft an diesem Ort war trocken und Staub geschwängert.
Sieh dich doch um“, sagte eine Stimme in selbstgefälliger Freude, „Du hast dich selbst hier her befördert. Es ist deine Schuld.
„Hör auf, dich über mich lustig zu machen, du Bastard!“
Wer wird denn gleich unhöflich werden? Vergiss nicht, wen du hier beschimpfst. Öffne deine Augen, sie werden sich an die Dunkelheit gewöhnen.“
Weiter starrte ich vor mich hin. Wie sollte ich je etwas erkennen? Nach meinem Gefühl hätte ich bereits Stunden ins Nichts blicken müssen und sah noch immer die Hand vor Augen nicht. Die Hand die ich nicht bewegen konnte, da ich gefesselt war. Jeder Versuch mich von der Wand fortzubewegen, war gescheitert. Jeder Versuch die Arme zu senken ebenfalls. Sie wurden nur stetig mehr und mehr taub. Mit der Zeit spürte ich auch den Schmerz der Handgelenke nicht mehr.
„Ich sehe nichts!“, raunte ich in die Leere. Betretenes Schweigen machte sich breit und wurde bald gefolgt von einem enttäuschten Seufzer.
Dann warte auf die Wache, die regelmäßig hier lang kommt. Sie trägt eine Fackel mit sich.
Wie konnte er meine Umgebung studiert haben, während ich bewusstlos war? War er nicht ein Teil von mir?
„Besitzt du die Güte, mir endlich zu sagen was hier los ist?“, fauchte ich. Meine Stimme erholte sich langsam, war jedoch noch immer so kratzig wie mein ausgetrockneter Hals.
Das ist doch offensichtlich. Du wurdest gefangen.
„Was ist daran offensichtlich?“, hackte ich genervt nach.
„Nun du liegst in Ketten“, gab er zurück und fuhr munter weiter fort, „Nur ein Idiot würde sich auf solch schäbige Weise fangen lassen. Aber wem erzähl ich das.“
Ich begann bedrohlich zu knurren und war fast selbst überrascht wie animalisch es klang.
Dein seltsamer Freund hier drüben“, sagte er und bewegte den Finger meiner rechten Hand in eine bestimmte Richtung. Kasthamor? War er tatsächlich hier?
War so töricht, ein Arhun Lager erkunden zu wollen. Was heißt erkunden. Er war getrieben von Hass und hatte die Absicht, diese Leute in der Nacht abzuschlachten, so wie sie seine Familie geschlachtet hatten. Naive Aktion. Aber du musstest ja unbedingt mitmachen.“
„Was genau ist geschehen?“
„Auf euer Reise nach Norden, seid ihr an einem Dorf vorbei gekommen, in dem ihr die Nacht verbringen wolltet. Schon vom Weiten habt ihr aber festgestellt, dass es von Arhun besetzt war. Doch unser Teeru Freund konnte dich überreden, das Ganze aus der Nähe zu betrachten.“
Bilder kamen in mir auf. Eine Dorf in der Ferne und verzweifeltes Flehen besorgter Frauen. Wir versteckten uns hinter einem Haus und beobachteten das Treiben im Dorf. Ein großes Lagerfeuer in der Mitte des Ortes. Ein Mann, seltsam entstellt, mit viel zu langen dünnen Gliedmaßen, der einen Hünen zwei Kopf größer als er selbst, am Hals packte und langsam erwürgte. Der Mann der leblos zu Boden fiel. Und das Monster das seinen Kopf in unsere Richtung drehte und den Arm nach uns erhob. Ein knochiger Finger deutete in unsere Richtung.


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