Cerens Welt - Kapitel 8.4




Danach wurde es wieder still.
„Kasthamor?“
„Still“, ermahnte er mich. Ohrenbetäubende Stille hallte um uns herum wieder. Nach den Worten, die ich vernommen und denen die ich gesprochen hatte, wurde das Schweigen, das nichts hören noch schmerzhafter.
„Ist er weg?“
„Ja“, antwortete ich verwundert. Was war mit dem Mann los? Er verhielt sich noch seltsamer, als vor unserer Torheit geschnappt zu werden.
„Gut“, seufzte er erleichtert, gefolgt vom lautstarken Klirren eiserner Ketten. Neugierig lauschte ich dem Geschehen. Die Geräusche wurden immer lauter und störender. Die Arhun mussten das doch hören! Was tat er bloß? Metallisches Klappern erfüllte den Raum. Als wurde Eisen auf Stein prallen. Viel Eisen. Und dann war alles ruhig. Zu ruhig.
„Langsam gefällt mir der Mann“, hallte die Stimme belustigt.
Erschrocken fuhr ich zusammen, als ich einen Lufthauch im Gesicht spürte. Nun war es der Lärm meiner Ketten, der die Luft durchzog. Was war das? Hier konnte es keinen Wind geben! Wir waren in einem Berg. Etwas berührte mich an der Hand. Ich zuckte und zerrte daran. Bei Ysara, was war hier los?
„Wirst du wohl endlich still sein“, schnaufte eine genervte Stimme direkt neben meinem Ohr. Kasthamor? Wie? Er war doch angekettet. Oder etwa nicht? Noch während ich darüber nachdachte, fielen meine Ketten zu Boden und mir auf den Fuß. Ein stiller Schrei entfuhr mir, der von Kasthamors Hand zurückgehalten wurde.
„Wir müssen hier raus!“, flüsterte er mir zu, „Und zwar leise!“
Langsam löste sich seine Hans von meinem Mund und seine Präsenz entfernte sich. Leise Schritte traten durch den kleinen Raum. Bedacht und vorsichtig folgte ich ihnen. Was auch immer vor hatte – wenn er denn etwas vorhatte -, er hatte uns befreit, also würde ich ihm diesmal vertrauen. Leisen Schrittes folgte ich ihm, bis ich die Wand erreichte. Ich tastete mich daran entlang. Ganz vorsichtig und stieß schließlich mit dem Mann zusammen, der sich bereits an den Ausgang drückte und um die Ecke spähte.
„Ich kann nichts sehen. Auch hier ist es dunkel! Wohin?“, sagte er leise in meine Richtung. Woher sollte ich das wissen? Die Wache war von rechts gekommen und nach links wieder verschwunden. Das konnte alles bedeuten. Beide Seiten konnten überall hinführen. Mein Instinkt sagte mir allerdings, dass wir der Laufroute der Wache folgen sollten. Lieber vor oder hinter ihm sein, als ihm in die Arme laufen.
„Links!“
Kasthamor löste sich von der Wand, ohne etwas zu erwidern, und drückte sich außerhalb des kleinen Raumes an die nächste. Ich hat es ihm gleich. Wir robbten an der Wand entlang durch den Gang.
„Wie hast du die Ketten aufbekommen?“, fragte ich leise.
„Ruhig!“
Er blieb abrupt stehen. Wir befanden uns direkt an einer Weggabelung. Von beiden Seiten drängten Lichter auf uns zu. Wir drückten uns flach an die Wand und schlichen ein paar Schritte zurück in den Gang. Ysara mit uns. Keron über uns. Lass sie nicht in diese Richtung gehen! Der Schein kam immer näher. „Ho, Rheo will uns alle draußen“, hallte eine Stimme aus dem linken Gang.
„Ho! Jetzt?“, erwiderte eine andere aus dem Rechten.
„Sicher. Er weiß doch, Rheo wartet nicht gern. Los!“
Die Zahl der Schritte wurde weniger. Ein Arhun trat aus dem linken Gang in unser Sichtfeld und schritt an uns vorüber. Dann verdoppelte sich der Klang der Schritte wieder. Bei gingen in die selbe Richtung weiter. Oh gute Ysara, ich danke dir! Erleichtert seufzte ich und wagte es auch nun wieder zu atmen. Doch die Anspannung breitete sich nur weiter in meinem Körper aus.
Etwas zog an meinem Hemd und ich wusste es ging vorwärts. Langsam setzte ich einen Fuß vor den anderen. Kleine Steinchen knirschten unter meinen Füßen und bohrten sich in die Fußsohlen. Es klickte leise, wenn ich auftrat und kratzte, wenn ich die Füße wieder anhob. Vorsichtig schüttelte ich die Kiesel von mir ab, trat jedoch gleich in die nächsten.
Wir folgten dem Weg, der nun verlassen sein sollte. Zumindest hofften wir das. Die beiden waren in die entgegengesetzte Richtung gegangen. Da sie etwas von einer Versammlung sprachen, hegte ich Hoffnung, dass alle Arhun dort sein würden, keiner mehr in den verwinkelten Gängen dieser Höhle.
Unsanft prallte ich gegen Kasthamor. Ich rieb mir die Nase und sah verwundert auf.
„He! Was soll das? Wir müssen weiter“, fuhr ich ihn an, leise jedoch. Doch er reagierte nicht. Stattdessen vernahm ich eine tiefe rauchige Stimme aus unmittelbarer Nähe.
„Was haben wir denn hier? Wollten sie etwas Freigang?“


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