Cerens Welt - Kapitel 8.5


Kälte erfüllte meinen Körper und ergriff mein Herz, wie eine eisige Hand. Sie zerrte daran, doch es wehrte sich, es schlug und pochte, wie in Rage. Mein Atem unterstützte es dabei, ging immer schneller, pumpte Unmengen Luft in die Lungen. Das konnte nicht sein! Wir waren doch gerade erst entkommen!
Verzweifelt tat ich einige Schritte rückwärts. Fort von der Stimme die schadenfroh über uns wallte. Ich wollte nicht erneut in Ketten gelegt werden, erst recht nicht im Kochtopf landen – wenn mir diese Ehre überhaupt zuteil werden würde. Schaudernd dachte ich an das Blut, das von allen Seiten spritzte, an das Fleisch, das in Stücke gerissen wurde und die kläglichen Schreie, die die Luft erfüllten. Zurück. Meine Füße agierten für mich. Fort. Langsam und leise. Weg hier. Es war dunkel, er konnte mich nicht sehen.
„Wo wollten sie hin? Meister Rheo einen Besuch abstatten? Das lässt sich einrichten!“
Ein klägliches Stöhnen entwich Kasthamor und dumpfe Schläge waberten durch die schwere Luft. Lauf! Renn! Ohne weiter darüber nachzudenken, drehte ich mich um und rannte in die Richtung aus der ich gekommen war. Zurück zu den Ketten denen wir entkommen waren und daran vorbei. Direkt den Gang entlang, aus dem die Wache zu uns gekommen war. Vielleicht lief ich ihm in die Arme. Doch gerade wollte ich nur fort von den Armen des Anderen.
Ich nahm nichts mehr um herum wahr. Die schwarzen Wände flogen an mir vorüber. Das Tappen meiner Schritte hallte sachte hinter mir nach. All die Schatten, die Steine am Boden, die Rissen im Stein, die Biegungen und Abzweigungen. All das raste an mir vorbei. Ich dachte gar nicht mehr darüber nach, wohin ich ging. Ich kontrollierte es kaum mehr. Mein Körper trug mich wie von selbst.
Und da fiel es mir auf. Ich konnte sehen! Vielmehr meine Umgebung wahrnehmen, trotzdem dass ich nicht sehen konnte. Und ich lief nicht selbst. Mein Körper tat es. Er tat es. Erst da realisierte ich, dass ich nicht mehr Herr meiner Selbst war, dass er mich übernommen hatte.
Werd jetzt nicht wieder hysterisch“, mahnte er mich und die Worte drängten aus meinem eigenen Mund. Sie erklungen nicht in meinem Kopf, sondern durchschnitten die Luft wie ein Messer.
„Was passiert hier?“, fragte ich verwirrt. Es war nur ein Gedanke.
Ich rette deinen Arsch. Selbst bist du anscheinend ja nicht dazu in der Lage.“
Leise hallten seine Worte hinter mir nach und verklungen. Ich verstand nichts mehr. Doch er hatte mich gewarnt, hatte mir gesagt, er konnte es vollbringen. So konnte ich nur hilflos zusehen, wie ich mich bewegte, ohne etwas zu tun. Ich konnte nichts tun.


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