mop Geschichtenliebe: Cerens Welt - Kapitel 8.6

Cerens Welt - Kapitel 8.6



Er führte uns die dunklen Gänge entlang, vorbei an Abzweigungen und Nischen. Den Raum in dem wir angekettet gewesen waren, hatten wir schon lange hinter uns gelassen. Stattdessen liefen wir den Wachen in die Arme. Zumindest aber in deren Richtung.
„Wo willst du hin?“, fragte ich verzweifelt.
Raus hier, was denkst du denn“, fuhr er mich an.
„Weißt du denn, wie wir hier raus kommen? Rennst du nicht einfach irgendwo hin? Was, wenn um die nächste Ecke ein Arhun steht?“
Ich war wütend. Er schien noch weniger über das was er tat, nachzudenken als ich.
Jetzt verstehe ich, warum du immer so genervt warst. Würdest du endlich mal die Klappe halten!“, fauchte er. Noch während er sprach, landeten wir in einer Höhle, die mit Fackeln versehen war. Sie war bestückt mit Tischen und Stühlen, die wahrscheinlich aus Menschendörfern stammten. Teilweise waren dunkle Flecken darauf zu sehen. Blut das in das Holz eingesickert war. Ruß der sich daran festgesetzt hatte.
Vier Gänge führten vom Raum fort. In einem davon brannte eine weitere Fackel. Die anderen drei – der aus dem wir kamen eingeschlossen – waren unbeleuchtet.
„Wo lang?“
Lass mich nachdenken!
„Denk lieber nicht zu lange nach“, ermahnte ich ihn und entschied für mich, dass der Weg gerade zu viel versprechend aussah. Die beiden zu meiner Linken führten womöglich nur dorthin zurück, wo Kasthamor... Er setzte uns in Bewegung und folgte doch tatsächlich dem einen Gang, der mit zahlreichen Fackeln ausgeleuchtet war.
„Was beim großen Keron hast du vor?“
Willst du nicht deinen komischen Freund retten?“, fragte er dagegen. Ihn retten? Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Sofort beschlich mich ein erdrückendes Gefühl von Schuld. Ich war so sehr mit mir selbst beschäftigt gewesen, dass ich Kasthamor vollkommen verdrängt hatte.
„Ich, also...“, stammelte ich.
Ist er dir etwa egal? Und ich dachte, ich wäre der kaltherzige von uns beiden.
Er blieb stehen.
„Was wird das jetzt?“
Geh! Tu was auch immer du vorhattest“, sagte er und seine Stimme ertönte in meinem Kopf. Ich sah auf. Ich hob meine Hand vor das Gesicht und betrachtete sie. Er hatte mir die Kontrolle zurück gegeben. Aber warum?
Sieh es als Friedensangebot. Aber glaube nicht, ich könnte mir deinen Körper nicht zurück holen“, sagte er, als könne er meinen Gedanken folgen. Womöglich konnte er das tatsächlich.
„Nur wenn ich dich lasse“, erwiderte ich.
Auf die ein oder andere Weise, ja.
Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen. Zwar war ich skeptisch, was diesen Einfall betraf, doch ich folgte dem Gang weiter, bis zu seinem Ende. Was mich noch mehr verwunderte, als dass ich unentdeckt blieb, war, dass er tatsächlich ins Freie führte. Ich fand mich auf einer Plattform aus tiefschwarzem Stein wieder. Eine tiefe Stimme deren Worte ich nicht verstand, erhob sich über den Berg. Vor mir prangerte eine Erhöhung, die einem natürlichen Podest ähnelte. Das Areal war unglaublich groß und ich konnte niemanden entdecken. Also schlich ich mich leisen Fußes zu dem Podest, das ein paar Köpfe höher war als ich. Eine grob gehauene Treppe führte nach oben.
Vorsichtig stieg ich sie hinauf, nur soweit, dass ich sehen konnte, was dort oben vor sich ging. Außer Füßen konnte ich jedoch nichts sehen. Massen von Arhun tummelten sich auf der Plattform und lauschten der Ansprache eines Einzelnen. Er sprach in einer fremden Zunge und doch glaubte ich Hohn in ihr wahrzunehmen. Nach einiger Zeit erhob jemand anderes das Wort. Die Stimme war gebrechlich und kratzte. In der selben Sprache wechselte sie ein paar Worte mit der Ersten und ich glaubte Kasthamor in ihr zu erkennen.
Nach ein paar weiteren Worten ging seine Stimme in markerschütternde Schreie über, die mir Frost durch den Leib jagten. Was geschah dort oben bloß?
„Ihr werdet ihn nicht finden!“, protestierte Kasthamor da plötzlich. Seine Worte waren von Schmerz verzerrt und schwach und wieder brach er in Geschrei aus.
„Überlass das ruhig uns, Teeru. Immerhin hat er einen gewissen Wert für uns“, erwiderte die tiefe Stimme des Arhun in Selbstgefälligkeit. Ein weiterer Schauder kroch mir über den Rücken. Sprachen sie von mir? Welchen Wert könnte ich für die Arhun haben? Keinen außer ihr Abendmahl zu werden. Das wollte ich zu verhindern wissen! Doch von wem konnten sie sonst sprechen?


An diesem Punkt habe ich das Projekt auf Eis gelegt, aufgrund mangelnder Zeit zu schreiben und zu wenig Teilnehmern. Vielleicht werde ich es in Zukunft einmal fortsetzen, wenn der interaktiv-Charakter besser ausgeschöpft werden kann. Immerhin wollte ich damit testen, ob und wie gut so eine interaktive Geschichte funktionieren kann. Ich bitte um Verständnis.

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