Realität, kann man das essen? [Nerdwoche]



Nerdwoche Tag 3, Donerstag, 3. Dezember - Ein Buch das dich vollkommen in seinen Bann gezogen hat

Bücher sind toll, Bücher sind schön. Bücher entführen uns in andere Welten und regen unsere Fantasie an. Sie präsentieren uns eine weiße Leinwand und legen den passenden Pinsel bereit, damit wir aus ihren Worten unser eigenes Bild der Wirklichkeit malen können. Jeder Satz ein Pinselstrich. Und so entstehen Geschichten, die uns fesseln und bewegen. Wir leiden mit den Protagonisten und freuen uns mit ihnen, als ginge es um uns selbst. Das tut es in gewisser Weise auch, denn für Moment des Abtauchens ist man selbst die Hauptperson. 
Spoilerwarnung! Dieser Beitrag enthält inhaltliche Informationen zu den Büchern die Twilight Saga, Endymion Spring und die Gilde der schwarzen Magier, die Storyline vorwegnehmen und auch spätere Teile anschneiden.




Die Bücher meines Lebens


Das erste Buch das ich verschlungen beziehungsweise auch nur zu Ende gelesen habe, war Biss zum Morgengrauen. Ja, ich habe die Twilight Saga gelesen. Und ich stehe dazu. Warum auch nicht. Die Bücher sind gut geschrieben und die Geschichte ist nicht schlecht. Nicht ohne Grund sind sie so erfolgreich und wurden so schnell verfilmt. Bei den Worten "Lichtung", "Sonne" und "glitzern" hatte ich zwar das tiefe Bedürfnis mein Buch gegen die Wand zu klatschen und nach der Hochzeitsnacht hatte ich rege Bedenken bezüglich der Sexualvorstellungen der Autorin - wie gut kann die Nacht gewesen sein, wenn das Bett zetrümmert ist und man zahlreiche Blutergüsse! am Körper hat? - doch alles in allem mochte ich die Reihe sehr.

Auch die Geschichte unserer Gesellschaft wurde mir durch Bücher in jungen Jahren schon näher gebracht. Mit Endymion Spring flog mir ein Buch zu, dass die Entstehung des Buchdrucks spielerisch in eine magische Geschichte einwebt. Der junge Endymion ist Gutenbergs Gehilfe und hilft uns dabei, den guten Mann einmal ganz persönlich und bei der Arbeit kennen zu lernen. Während in der Gegenwart ein Junge ein mysteriöses Buch ohne Worte findet, das sich ihm von Zeit zu Zeit offenbart. Damals war ich vollkommen gefesselt von diesem rätselhaften leeren Buch und habe es genossen in die Fußspuren Johannes Gutenbergs zu treten. 

Eine Geschichte die mich sowohl in Film- als auch Buchform schon immer begeisterte und faszinierte, ist Michael Endes Die unendliche Geschichte. Die Welt in die Bastian Balthasar Bux abtaucht, um seinen Mobbern zu entfliehen, zählt mit zu den magischten und zauberhaftesten Welten, in die ich je abtauchen durfte. Es steckt so unglaublich viel Fantasie, Kreativität und Liebe in den Fasern Phantásiens, dass man beim Lesen glatt meinen könnte, man würde in einen bunten Traum abtauchen. Jedes Wesen, jede Kreatur und Figur ist einfach nur wunderbar und schafft es einen zu verzaubern.


Doch das Buch das mich am meisten in seinen Bann gezogen hat, war ein ganz anderes. Manch einer kann und mag es vielleicht mittlerweile nicht mehr hören und kann es sich vielleicht schon denken. Ich spreche von der Gilde der schwarzen Magier. Doch warum schwärme ich gerne und noch dazu so oft von gerade dieser Saga?




Die Magie Kyralias

Wir haben auf der einen Seite Sonea, das doch recht arme Mädchen, das seine Eltern verlor und nun bei Onkel und Tante aufwächst, sich mit den alltäglichen Problemen eines jungen Mädchens und des Überlebens in den armen Vierteln einer Stadt herumschlägt. Und auf der anderen Seite die studierten Gelehrten der Magiergilde die sich mit weltlichen Belangen, Forschung, Medizin und Politik befassen. Somit verfolgen wir nicht nur den Werdegang der jungen Sonea, unserer Heldin, die lernen muss, sich in dieser völlig fremden Welt der Gilde zurecht zu finden - und dort akzeptiert zu werden - sondern auch das Schaffen und Leiden von Lord Dannyl, der sich bald so gar nicht mehr in sein Umfeld einpassen kann. Wir verfolgen den Weg einzelner Personen, einzelner Schicksale und aber auch den Verlauf politischer Fragen und Spannungen, die Länder übergreifend für all unsere Freunde zur Bedrohung werden. 
Allein diese Vielfalt an weitgefächerter Story macht mir diese Saga sehr reizvoll. On top of that, haben wir eine wundervoll beschriebene Welt, die sich beim Lesen ganz so anfühlt, als würde man selbst über die Dachleitern der Vorstadt steigen, sich mit Cery in der Diebesgilde rumtreiben, die stechenden Blicke der Magiestudenten ertragen müssen. Man fühlt sich, als hätte man selbst diesen Stein geworfen. Man fühlt sich, als müsste man selbst die strengen Blicke und den Tadel Akkarins ertragen, als hätte man ihn selbst bei der Ausübung schwarzer Magie beobachtet und würde selbst davor fliehen. Man fühlt sich, als würde man selbst mit ihm nach Sachaka fliehen, sich in ihn verlieben und seines verlust verschmerzen müssen. 
Man fühlt mit Dannyl mit, der während seiner Nachforschungen in staubigen Kellergewölben voll Büchern und Manuskripten seinem Gelehrtenherz nachgeben kann. Wie wollte ich in diesen Räumen sitzen und die Geschichte Kyralias durchschmöckern. Man fühlt mit ihm, wenn er sich seine Homosexualität neu eingesteht und sich ihr hingibt, sich verliebt. (Allein die Tatsache, dass Themen wie Homosexualität und die Liebe zwischen Menschen so unterschiedlichen Alters/Ranges in dieser Geschichte thematisiert werden, macht sie mir unglaublich sympathisch.)
Kurz um: Man ist diese Geschichte. Man ist Sonea. Man ist Dannyl. Dass ein Buch es schafft, dieses Gefühl zu erzeugen, ist einfach wundervoll.

Ich glaube ich kann zu lange über Bücher reden und schwärmen, besonders über dieses. Weitere Ausschweifungen werde ich euch vorerst mal ersparen. An dieser Stelle würde ich allerdings nochmal gerne erwähnen: Verlage einigt euch auf ein Cover! Mein Regal sieht dezent scheiße aus, mit diesen sieben Bänden, die kein Stück zusammen passen. Vor allem, ganz wichtig: Wenn ihr eine Sonderedition mit einem Spezialcover (das auch noch echt geil aussieht) rausbringt, dann zieht das die komplette Trilogie durch und nicht nur einen Band... Ich hätte gern die komplette Saga im Design des ersten Bandes als Sonderedition.




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Die Nerdwoche der Anderen

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