mop Geschichtenliebe: Das Phänomen PokémonGo

Das Phänomen PokémonGo

Pokemon Go


Viele 90er Kinder und all jene, die mit Gameboy und Pokemon aufgewachsen sind, hatten lange Zeit nur einen Traum: Dass das alles Wirklichkeit wird. Wir wollten raus gehen, in die Welt hinausziehen, Abenteuer erleben, Pokemon Trainer sein. Teilweise wollen wir es noch heute. Es wäre so viel einfacher, denn die Realität. Und mit PokemonGo ist dieser Traum für viele ein Stück weit in Erfüllung gegangen.
Die App wird gehyped und jeder spielt es. Selbst die die keine Ahnung von Pokemon haben. Gerne spricht man hier von Mitläufern oder Leuten die einfach nur auf den Hypetrain aufspringen. Haben sich 20 Jahre nicht für das Franchise interessiert, wissen geradeso was ein Pikachu ist und wollen jetzt groß mitmachen. Da werden viele hellhörig. Aber mal ehrlich, ist das wirklich ein nennenswerters Problem, über das man sich in Sachen PokemonGo echauffieren muss?




Das Spiel bringt so viele negative Aspekte mit sich

Angefangen bei den kaum auszuhaltenden Serverüberlastungen. Seitdem am Samstag 26 weiteren europäischen Ländern die Nutzung der App freigeschalten wurde, sind die Server so maßlos überlastet, dass erst für einige Stunden gar nichts mehr ging und wir jetzt in einem Dauerstadium von Lags, Bugs und Verbindungsabbrüchen festhängen.
Und habt ihr euch nicht auch zumindest für eine Sekunde mal gewundert, was das Spiel da eigentlich macht? Ich muss einen Google oder Facebook Account angeben und das Ding weiß immer wo ich bin. Immer. Sobald ich die App starte. Ich war schon leicht verdutzt wie viele Photos der "Sehenswürdigkeiten" in die Pokestops integriert sind und dass da überall Infotext bei ist. Ich mein, ja, wir haben Googlestreetview, aber ist das wirklich so ausgebaut, dass da Gassen, Spielplätze und Fenster abgebildet sind? Kam mir bisher nie so vor. Und dass der GPS Track dann noch so präzise ist, dass das Spiel merkt, wann ich die Straßenseite wechsele, ist schon ein wenig beunruhigend. 
Darüber hinaus verursacht das es regelrechte Menschenaufläufe, wenn irgendwo ein seltenes Pokemon spawnt. Als ein wildes Glurak im Central Park erscheint (höhö) lassen Passanten alles stehen und liegen, hechten von ihren Café Sitzplätzen hoch, steigen aus ihren Autos aus - mitten auf einer vielbefahrenen Kreuzung - und rennen in den Park, um das Tier zu fangen. Das ist zugegeben ein Extremfall, doch auch andernorts kommt es zu erhöhtem Menschentraffic um Pokestops herum. In Australien müssen genervte Anwohner nachts mit Selbstjustiz gegen die gut 1000 Spieler vor ihren Fenstern vorgegangen sein. Sie bewarfen die Leute mit Eiern, nachdem die Polizei nichts dagegen unternehmen wollte - oder konnte, bei 1000 Mann nicht verwunderlich. Und auch in Deutschland sollen wohl bereits Friedhöfe mit Pokestop belagert worden sein. Ein Ort der eigentlich den Trauernden vorbehalten sein sollte.

Doch nicht nur öffentlicher Unmut sind Ergebnisse des Spiels. Auch persönliche Schicksale, Leichtsinn und schiere Dummheiten sorgen für Schlagzeilen. So liefen ein paar unvorsichtige Spieler mitten in eine Schießübung der Bundeswehr, um dort nach Pokemon zu suchen. Zwar sind sie unverletzt davon gekommen, hätten aber in Anbetracht der massigen Warnschilder ohnehin lieber fern bleiben sollen.
Während das noch vergleichsweise glimpflich ausging, haben andere Trainer und Anwesende weniger Glück. Mittlerweile erigeneten sich nämlich bereits einige Verkehrsunfälle, verursacht durch abgelenkte PokemonGo Spieler. Und ich bin sicher, dass es dabei nicht bleiben wird.
Dass aber bereits Leute gestorben sind, beim Versuch fündig zu werden, hat mich tatsächlich etwas schockiert. In Kalifornien sind wohl zwei Männer während dem Spielen schnurstraks eine Klippe hinuntergestürzt, die sie anscheinend einfach übersehen hatten. Geht das? Nach den tragischen Toden in Zusammenhang mit dem Machen von Selfies, nun das?
Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass ein islamischer Gelehrter das Spiel bereits zur Sünde erklärt hat, weiß man zumindest, was einige davon halten müssen. Ob die Gläubigen sich an diesen Sünden- und damit Verbotsausspruch aber halten, ist etwas ganz anderes.



Wir tun dem allen Unrecht

Da ich das Spiel aber nicht heillos schlecht reden will - immerhin spiele ich selbst - müssen wir natürlich auch die positiven Seiten beleuchten. Ganz unabstreitbar sorgt es nämlich zum Beispiel dafür, dass Leute sich mehr an der frischen Luft bewegen. Auch diejenigen - so wie ich - die sonst weniger dazu neigen, raus zu gehen oder Sport zu machen, überwinden sich, unter dem Vorwand der Beste zu werden, nun öfter rauszugehen - und sei es nur für einen Spaziergang. Allein das sehe ich schon als sehr positiv und auch wirkungsvoll an. Ein Videospiel schafft hier, was viele schon lange versuchen.
Außerdem knüpfen sich viele Bekanntschaften an Pokestops. Man grinst im Vorübergehen, wenn man bemerkt, dass der andere gerade das selbe Tier fangen will. Man tauscht in Öffentlichen wissende Blicke, wenn das Gegenüber auch gebannt aufs Handy starrt. Und auch wenn ich es noch nicht selbst ausprobiert habe, bin ich sicher, dass man an Pokestops leicht ins Gespräch kommt. Wären ja genug Gleichgesinnte da und ein Thema hätte man auch sofort.

Auch andere sehen bereits Vorteile in der App. Nicht jeder will diese nutzen oder empfindet sie für sich selbst als so vorteilig, aber sie sind da. Einige Tierheime haben begonnen, Spieler darum zu bitten, bei ihren Fangexkursen doch einen Hund mit auszuführen. Dann sind sie weniger allein und die Hunde freuen sich, raus zu dürfen. Gassigehen mit beiderseitigem Nutzen.
Und viele Geschäfte und Firmen erkennen mittlerweile den Wert, den Pokemon als Franchise und PokemonGo als App für sie haben kann. Elektrofachmärkte nutzen das Erschöpfen des Akkus für sich und bieten vermehrt Powerbanks an. Geschäfte oder Cafés die einen Pokestop vor der Tür haben, nutzen diesen gezielt für sich und werben damit, dass sie ihn mit Lockmodulen speißen. Es wird angefangen dieses Thema in Werbung und Sonderaktionen mit einfließen zu lassen. Zeitungen fangen an darüber zu berichten und Außenstehenden das Spiel und die Welt dahinter näher zu bringen.

Pokemon Go

Ob diese Kommerzialisierung nun etwas Gutes oder Schlechtes ist, darüber lässt sich vermutlich streiten. Ganz grün bin ich damit persönlich noch nicht. Aber es kurbelt die Wirtschaft an. Und das wiederum ist etwas Gutes.

Alles in Allem ist PokemonGo aktuell ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Viele sind absolute Bewunderer und Fans, viele andere harte Kritiker. Einige verstehen den Trubel nicht und stehen komplett außen vor. Und einige - wozu ich auch mich selbst zähle - sitzen etwas zwischen den Stühlen. Denn die App hat sowohl Gutes als auch Schlechtes an sich. Und zu differenzieren, was davon überwiegt und was für einen selbst entscheidender ist, ist nicht so leicht.

Anhang: Ich bezeichne Pokemon hier ganz bewusst als Tiere, weil sie in meinen Augen genau das sind. Zwar für uns nur erfundene Fabelwesen, die laut Geschichte durch Genforschung entstanden. Aber wären sie real, würde ich sie als nicht ganz gewöhnliche aber normnale Tiere ansehen.


Quelle: Die Bilder sind freundlicher Weise zu Verfügung gestellt von Anouki
Pokemon Go Pro und Kontra

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