Lauter Kampf, Stiller Kampf

Review zum Manga A Slient Voice


In unserer heutigen Gesellschaft ist Mobbing alltäglich. Doch auch wenn immer mehr Menschen anfangen darüber zu sprechen, ihre Geschichte mit der Welt und Betroffenen zu teilen – gerade unter Youtubern kann man das vermehrt beobachten – ist es ein Thema, das zu oft unter den Teppich gekehrt wird. Ein Thema das gerade in der Politik nicht genug für voll genommen wird. Statt die Ursachen aktueller Ereignisse bei der mentalen Verfassung des Täters zu suchen, packt man die Killerspielkeule wieder aus – und es ist ja nicht so, dass der Täter von München sich lautstark über jahrelanges Mobbing beklagt haben soll und dem die Schuld an seiner Verfassung zugeschoben hat. Doch das ist eine andere Geschichte.
Mobbing bewirkt etwas in Menschen. Manchmal Gutes, das dazu führt, dass sie stärker werden und/oder anderen helfen möchten. Manchmal aber eben auch schlechtes, denn es belastet die Seele und wirft enorme Selbstzweifel auf. Gerade in so einer Zeit begrüße ich es, wenn Geschichten Mobbing als zentrales Element thematisieren. So nämlich auch A Silent Voice aus dem Hause Egmont.

Der junge Shoya kämpft einen harten Kampf, einen steten Kampf der endlos scheint. Den Kampf gegen die Langeweile. Um diesen zu gewinnen, veranstaltet er mit seinen Freunden tägliche Mutproben und hängt mit ihnen bei einem guten Manga oder Videospiel ab. Doch den beiden wird das irgendwann zu viel, zu kindisch. Die Prüfungen stehen bevor, sie wollen lernen, wollen erwachsener werden. Sie wenden sich von ihm ab.
Damit droht Shoya den Kampf gegen die Langeweile allmählich zu verlieren. Er ist einsam. Bis eine neue Schülerin in die Klasse eintritt. Shoko, die einen ganz anderen Kampf kämpft. Normalität. Das Bestehen des Alltags. Denn sie ist taub. Für Shoya ein gefundenes Fressen. Er beginnt seinen Spaß aus ihr und ihrer Behinderung zu ziehen.

Diesen Manga finde ich wirklich großartig. Soviel muss gesagt sein. Der wohl größte Pluspunkt den er einheimsen kann – und mit der Meinung stehe ich nicht alleine da –, ist die Erzählweise. Der Fakt, dass die Geschichte gezielt aus Sicht des Mobbers erzählt wird. Sie zeigt dessen Situation und Beweggründe auf. Etwas das die meisten Mobbinggeschichten nicht schaffen, da sie sich mehr mit den Opfern befassen.
Doch dabei bleibt es nicht lange, denn die Klasse dreht den Spieß recht schnell herum. Aus dem Täter wird ein Opfer. Und das wiederum finde ich fast etwas schade oder zumindest zu früh angesetzt.

Auch die Figuren sind klasse umgesetzt. Zwar ist Shoya der Draufgänger und Unruhestifter aus dem Bilderbuche und somit fast schon prädestiniert für die Rolle des Mobbers, doch im Gegenzug sind seine Gedankengänge und Emotionen nachvollziehbar dargestellt. Trotz der Rolle des Unsympathen kann man sich ein Stück weit in ihn hineinversetzen und auch Mitleid für ihn empfinden.
Was auf Shoko – in meinem Fall - nur bedingt bis wenig zutrifft. Das liegt aber nicht etwa daran, dass mich ihre Lage nicht betrifft oder ich sie nicht mag. Es liegt daran, dass man sie ausschließlich durch Shoyas Augen wahrnimmt und somit die gleichen Gedanken und Gefühle auf sie projiziert, die auch er hat.

An dieser Stelle finde ich es fast ein wenig schade, dass das Mobbingopfer so offensichtlich eine behinderte Person ist und den offensichtlichsten Beweggrund bietet. Es wurden schon Leute für weniger gemobbt. Andererseits gibt dieser Umstand der Geschichte und Shoko als Figur ein sehr intensives Gefühl und einen Charme, den sie sonst nicht hätte.

Ich bin ein wenig zwigespalten, man merkt es sicher. Doch die Gewichtung liegt bei 5 zu 95. A Silent Vioce hat mich beim Lesen wirklich bewegt und ich freue mich wahnsinnig auf den zweiten Band, auch wenn ich anfangs etwas skeptisch an die Seiten herangegangen bin.

Schaut doch auch mal beim Chris vorbei, der seine ganz eigene Meinung zu A Silent Voice hat. Review/Rezension zum Manga A Slient Voice

Kommentare:

  1. Mal wieder eine klasse Review wann kommt die nächste?

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    1. Vielen Dank!
      Bis zur nächsten Review dauert es noch ein wenig. Demnächst gehen erst einmal Beiträge zu Film und Serien sowie ein Gastbeitrag von 100woerter.de online. Die werden sich auch lohnen, versprochen ;D

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  2. Okay danke für deine Antwort

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  3. Mal ne Frage,wie wird man Bloggerin und geht das auch anonym?

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    1. Blogger wirst du, ganz blöd gesagt, wenn du es willst. Du benötigst eine Plattform (sowie blogspot oder wordpress) die sind in der Regel kostenlos und dann ein Thema, über das du schreiben möchtest. Es gibt auf diversen Blogs zig Anleitungen zu dem Thema. Z.B. wie man ein Thema für den Blog findet, was man beachten muss, wie man am besten anfängt, wie man ihn optisch aufbauen kann damit potentielle Leser nicht sofort abgeschreckt werden und so weiter. Wenn dich das interessiert, google ruhig mal danach.

      Was die Anonymität angeht, ist das so eine Sache. Zum Einen finde ich anonyme Blogs wahnsinnig unpersönlich, weil der/die SchreiberIn oft dazu neigt, dann so absolut gar nichts von sich und seinen/ihren Gedanken preiszugeben (solche Blogs lese ich persönlich kaum bis gar nicht). Der andere Punkt ist das Impressum. Alle Seiten die einen wirtschaftlichen oder journalistischen Aspekt aufweisen (Bloggen wird gesetzlich als Journalismus betrachtet), sind verpflichtet ein vollständiges und rechtsgültiges Impressum zu führen. Dazu gehören der bürgerliche Klarname, sowie Kontaktmöglichkeiten und eine Postanschrift. Fehlt das Impressum oder ist es lückenhaft und jemand bemerkt das, kann das hohe Geldstrafen nach sich ziehen.

      Wenn du bloggen möchtest, denke am besten ein wenig darüber nach. Wie gesagt benötigst du ein Thema, über das du dich austauschen möchtest. Wenn man sich an die Gesetze hält, gibt man damit ein Stück seiner Anonymität und Privatsphäre im Internet auf, klär mit dir selbst, ob du das möchtest. Und dann solltest du dir im Klaren sein, dass das Ganze auch Arbeit bedeutet. Zwar Arbeit die man in der Regel und mit Leidenschaft tur, aber von Zeit zu Zeit kann das Hobby Blog auch anstrengend werden.
      Das soll dich nicht abschrecken. Wenn du Interesse daran hast, tu dir keinen Zwang an. Es ist eher informativ ubd ratschlagend gemeint.

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  4. Ich bin leider glaub ich zu jung

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    1. Es steht mir nicht zu, das zu beurteilen. Tatsächlich muss das jeder für sich wissen. Aber sprich doch vielleicht mal mit deinen Eltern darüber. Ich denke, wenn du bloggen möchtest, findest du sicherlich einen Weg und wenn du noch ein paar Jährchen wartest.

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  5. Danke dass du dir die Zeit genommen hast mir zu antworten.

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    1. Na bitte gerne. Ich versuche auf alle Kommentare relativ zeitnah zu antworten.

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