Freizeitgeschichten
Background: Charlie

Background Story, Hintergrundgeschichte: Acryl Gemälde Hund (Charlie) Background Story, Hintergrundgeschichte: Acryl Gemälde Hund (Charlie)

Bekanntermaßen gibt es zu so ziemlich allem eine Geschichte und mag sie noch so unbedeutend erscheinen. Sei es - ganz kitschig - der Tanz oder erste Kuss zu einem bestimmten Lied (auch wenn ich niemanden kenne, dem so etwas passiert/wichtig ist) oder das Tattoomotiv, dass dich an eine geliebte Person erinnert. Vielleicht ist es auch nur die fast verblasste Narbe an deinem Arm, die du dir beim Klettern mit Freunden zugezogen hast und nun von einem grandiosen Tag zeugt.

Als ich ein Photo dieses Gemäldes auf Twitter postete, musste ich wieder an die Geschichte dahinter denken. Daran wie es entstand und was alles damit verbunden war. Ein paar Dinge in meinem Leben sind mit gravierenden Storys verbunden, mit Menschen oder Ereignissen die mich maßgeblich geprägt oder beeinflusst haben. Und dieses Bild ist eines davon. An seiner Geschichte möchte ich euch teilhaben lassen.

Background Story, Hintergrundgeschichte: Acryl Gemälde Hund (Charlie) Gestatten? Charlie.

Charlie ist der Hund meines Exfreundes. Ein süßer kleiner Fratz mit dem ich gerne gespielt und gekuschelt habe. Klein ist hierbei jedoch eher sentimental gesprochen, denn Charlie gehört zu der Art Hund die größer ist als ich, wenn er sich auf die Hinterläufer stellt und die Pfoten auf meine Schultern legt - was er immer gerne gemacht hat, wenn er in Spiellaune war. Ich habe es geliebt mit ihm auf die Hundewiese zu gehen und ihm beim Toben zuzusehen oder gemeinsam durch die Weinberge zu schlendern. Manchmal wenn sein Herrchen arbeiten musste, sind wir auch nur zu zweit losgezogen. Und ich war immer unheimlich stolz, wenn er auf meine Kommandos  gehört hat. Auch wenn ich nach längerer Zeit wieder zu Besuch kam, kam Charlie freudig fiebsend die Treppe runter zu Tür geschlittert und umkreiste mich mit wedelndem Schwanz. Es war ein tolles Gefühl, soviel Zuneigung von einem so tollen Tier zu erhalten.

Background Story, Hintergrundgeschichte: Acryl Gemälde Hund (Charlie) Background Story, Hintergrundgeschichte: Acryl Gemälde Hund (Charlie)
Background Story, Hintergrundgeschichte: Acryl Gemälde Hund (Charlie)
Das Gemälde entstand in den Pfingstferien 2013. Ich stand kurz vor dem Abitur. Die Prüfungen waren direkt in der Woche nach den Ferien und eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die ganze Zeit zu lernen - etwas das ich zuvor nie getan hatte. Doch es kam ganz anders. Stattdessen hatte ich mich drei Tage lang bei runtergelassener Jalousie in meinem Zimmer verschanzt, mich im Bett verkrochen und die ganze Zeit hindurch Let's Plays geschaut. Drei volle Tage lang. Aufgestanden war ich nur um zu essen, was sehr selten vorkam, oder auf Toilette zu gehen. Ich starrte einfach nur emotionslos in mein Notebook, das sich auf meinem Schoß in einen tragbaren Heizlüfter verwandelte und meinte Oberschenkel knusprig anbräunte - fehlte nur noch das Rührei.

Als die drei Tage rum waren und ich weder meine miese Stimmung noch die Luft in meinem Zimmer oder meinen eigenen Geruch noch ertragen konnte, riss ich das Fenster auf, ging duschen, machte mir Essen und schnappte mein Notebook. Ich suchte mir ein Photo von Charlie raus und platzierte das Teil in meinem Regal. Die Wand nebenan wurde zur unfreiwilligen Pinnwand. (Unsere Nachmieter tun mir jetzt schon leid, so viele Löcher kann man gar nicht stopfen und spachteln.) Ich nahm also das A2 Kartonpapier das ich einige Tage zuvor gekauft hatte, pinnte es an die Wand und begann das Photo abzuskizzieren. Dass es ein Schwarz-Weiß Bild war, war bewusst gewählt, denn ich hatte mich an meine Kunstlehrerin erinnert, die uns einmal erzählte, wie viel Begabung ihrer Meinung nach dazu gehöre, ein Photo aus dem grauen in einen farbigen Zustand zu adaptieren. Ich hatte also dieses graue Bild vor mir und dachte mir, ich könnte ein Bild in Sepia und Brauntönen kreieren. Braun ist eine schöne Farbe mit vielerlei Facetten. Was am Ende dabei herauskam, war ein nahezu originalgetreues Abbild Charlies das sogar die richtigen Farben getroffen hatte. Vollkommen unbewusst.

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Noch heute ist dieses Acrylbild von Charlie mein liebstes Werk, das mir - meiner Ansicht nach - von allem das ich je anfing am besten gelungen ist. Ich liebe dieses Bild, so wie ich das Tier liebe, das es zeigt. Nur spiele ich aktuell mit dem Gedanken, es noch einmal zu überarbeiten. Die Farben sehen etwas schmutzig aus und der Hintergrund könnte langsam gefüllt werden. Eigentlich wollte ich es schon damals rahmen, was mir jedoch schwer fiel, da es kein echtes A2 Format hat und ich somit keinen passenden Rahmen finden konnte. Mittlerweile bin ich soweit, einfach einen Standartrahmen zu kaufen und mir ein Paspartout anfertigen zu lassen. Das ist sicherlich die intelligenteste Wahl.

Falls ihr euch nun Sorgen macht, was passiert ist, dass es zu diesem Stimmungsabfall und schließlich der Kunstwut kam: Keine Sorge, Charlie geht es gut, ich kann nur nicht mehr mit ihm spielen. Denn am Wochenende vor den Ferien hatte sein Herrchen sich von mir getrennt. Es war ein seltsames Gefühl. Ich habe geweint und er wischte meine Tränen weg. Dann weinte er selbst. Wir verbrachten noch eine Nacht zusammen, bevor er mich zum Zug brachte. Ich stieg ein, blieb an der Tür stehen, drehte mich um und sah ihn an. Unweigerlich musste ich erneut weinen. Und durch die sich schließenden Türen sagte ich ein letztes Mal "Ich liebe dich", bevor er mich nicht mehr hören konnte, bevor der Zug sich in Bewegung setzte und er langsam aus meinem Sichtfeld verschwand.
Danach war ich fertig mit den Nerven. Fertig mit der Welt. Diese drei Tage und Acht Stunden hatte ich gebraucht. Mit Vollendung des Bildes ging es mir besser, fast wieder gut. Doch um über die Trennung hinwegzukommen brauchte ich noch über ein Jahr.
Gelernt hatte ich so gut wie gar nicht. Zu den Prüfungstagen war mein Kopf so gut wie leer. Ich hatte einen Schnitt von 2,9 geschrieben und mir somit die Chance auf ein Allgemeines Abitur und die 13. Klasse versaut. Die Motivation das mit mündlichen Prüfungen auszubessern hatte ich ebenfalls nicht mehr, weswegen ich nun "nur" eine fachgebundene Hochschulreife habe. Ob das aber wirklich an der Trennung und den negativen Gefühlen liegt, wer weiß.

Er hatte damals an diesem Abend einen Satz zu mir gesagt, den ich nie vergessen werde: Don't cry because it's over, smile because it happened.
Und das tue ich. Danke für die schöne Zeit.

Background Story, Hintergrundgeschichte: Acryl Gemälde Hund (Charlie)

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