Urtierisch gut

Review Jurassic World


Eine weiss-grau mehlierte Oberfläche, rau, brüchig. Sie bekommt Risse, immer mehr und ein Stück bricht heraus. Eine Pranke stößt hindurch, drei lange spitze Klauen krallen sich fest. Direkt daneben bricht eine weitere Schale. Risse ziehen sich über die Oberfläche. Das erste Ei bricht weiter auf und ein bedrohliches Auge starrt aus dem Loch. Echsenhaut erfüllt das Sichtfeld. Aus der Vogelperspektive sieht man zahlreiche Eier, sie alle beherbergen Dinosauerier. Und sie werden gezüchtet. In Jurassic World.

Warnhinweis: Dieser Film ist mit einer FSK Freigabe von 12 Jahren versehen. Keiner weiss, was die FSK sich bei solchen Begrenzungen denkt, aber die Grausamkeit und der Blutdurst mit dem die gewaltigen Dinosauer sich gegenseitig und auch Menschen abschlachten, ist definitiv nicht für die Augen eines Zwölfjährigen geeignet. Da jedoch nicht direkt gezeigt wird, wie jemand zerfleischt oder entzwei gerissen wird, wäre meine Empfehlung eine Altersfreigabe von 16 Jahren bzw etwas stärkere Nerven.


Neuer Park, Neue Protagonisten

Zwanzig Jahre nach Schließung von Jurassic Park finden wir uns nun in Jurassic World wieder, einem hochmodernen Park in dem zahllose Dinosaurier gezüchtet und zur Schau gestellt werden. Die Insel beherbergt regelmäßig über 20.000 Besucher und ist das Highlight für jeden Familienausflug. Ein Dinosaurier-Streichelzoo, ein Flugtierhaus, weite Areale die mit Schwebebahnen, einem Jeep oder manuell steuerbaren "Hamsterkugeln" durchfahren werden. Nie konnte man einem Dino so nah sein, ihn in seinem natürlichen Umfeld und seinen Gewohnheiten beobachten oder ihn gar berühren. Alle möglichen Arten sind vertreten. Die einen in vorgegaukelt freier Wildbahn, die anderen, gefährlicheren in Isolation oder einem streng gesicherten Gehege. 
Auch die beiden jungen Brüder Zach und Gray, deren Tante den Posten der Leiterin des Parks bekleidet, machen ebenfalls einen Ausflug dorthin, um etwas Zeit mit ihr zu verbringen. Zeit die sie nicht hat. Stattdessen beauftragt sie ihre Sekretärin damit, auf die Jungs aufzupassen. Einen unachtsamen Moment nutzen die natürlich sofort, um sich aus dem Staub zu machen und den Park auf eigene Faust zu erkunden. Sie begeben sich in eine Hamsterkugel und fahren über eine von Sauriern bevölkerte Wiese. 
Andernorts ist Tante Claire gerade damit beschäftigt, Sponsoren für ein neues Züchtungsprojekt anzuwerben. Der Indominus Rex ist ein genetisch aus mehreren Rassen gekreuzter Saurier, der durch den Wow-Effekt neue und noch mehr Besucher anlocken soll. Er ist größer, fast 16m lang, stärker und furchteinflößender. Und gut gesichert. 
Der neue Sponsor ist begeistert von Indominus Rex, möchte jedoch dass ein Bekannter, der ebenfalls im Park tätig ist, das Gehege auf seine Sicherheit prüft. Owen, ein Exmarine, der nun als Raptorenbändinger arbeitet, sieht sich wie gewünscht das Gehege an. Der Saurier ist jedoch nicht da. Die Wärmebildkameras könmen ihn nicht finden und Owen stellt entrüstet fest, dass das Zugangstor der 15m hohen Mauern mit zahlreichen tiefen Kratzern übersäht ist. Erst als ein paar Männer sich dieses Tor aus nächster Nähe - innerhalb der Absperrung ansehen, fällt auf, dass Indominus Rex noch immer dort ist. Sie macht Jagd auf die Männer und - wie sollte es anders sein - entkommt durch die Fahrlässigkeit eines Angestellten. 
Zach und Gray finden in der Zeit ein geöffnetes Tor, das zu einem anderen Gehege führt und folgen ihrer Neugier tiefer in den urzeitlichen Wald. Dort können sie die Tiere aus nöächster Nähe betrachten. Eins, Zwei, Drei, Vier, aber halt, was ist diese Spiegelung, ein Fünfter? Das gezüchtete OP Wesen (viel zu mächtig um wahr zu sein) steht direkt hinter ihnen und attackiert sie. Und so nimmt das Grauen seinen Lauf. 


Aus alt mach neu

Wer sich noch an Jurassic Park erinnert, wird sich auf der Flucht bald in der ehemaligen Empfanghalle wieder finden. Denn Jurassic World wurde auf der selben Insel, um die Überreste der alten Anlagen herum errichtet. Auch unser alter Freund TRex und die Velociraptoren erhalten einen glorreichen Auftritt. 
Das Ambiente des Parks ist wundervoll. Man fühlt sich sofort in einen klassischen Freizeitpark versetzt und erlebt Gefühle, die man aus seiner Kindheit kannte oder vielleicht gerne erlebt hätte. Eine heitere Stimmung liegt über den Attraktionen und Sehenswürdigkeiten. Auch der Druck unter dem Claire steht, ist nachvollziehbar und passt in eine kapitalistische Welt, die aus diesen in unserer Zeit fehlplatzieren Tieren nichts als Profit schlagen will. Und die Art mit der das Chaos sich über den Park und seine Besucher legt, erzeugt eine unheimliche Atmosphäre, die nur zu gut zum Geschehen passt. 
Was mich auch sehr beeindruckt hat, ist der Charakterwechsel. Owen und Claire - besonders Owen der die Raptoren kontrollieren kann - spielen zwar eine wichtige Rolle, doch im Mittelpunkt stehen diesmal tatsächlich die Kinder. Dadurch wird die Geschichte aus einer anderen neuen Sicht erzählt und man sieht das Ganze nochmals mit anderen Augen. 

Die szenische Umsetzung und Animationen der Dinos sind sehr realistisch und furchteinflößend. Wie man es bereits von den Vorgängern gewohnt war und noch viel besser. Man möchte beinahe selbst davon laufen. Selbst in 2D ist der Film wie eine Reise in eine andere Welt und lohnt in jedem Fall für alle Saurierfans und Schauderfreunde. Auch sehr schön: Man braucht keine Vorkenntnisse aus der Jurassic Park Reihe, um im Kontext zu bleiben. Dieser Film setzt zwar den Epos - und die Dummheit der Menschen - fort, fungiert jedoch als hervorragendes Stand alone Werk.

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