Der Weg des Hannibal Lecter

Review Hannibal S3


Achtung Spoiler! Dieser Beitrag enthält Informationen, zu vorangehenden Folgen, sowie dem Film Hannibal Rising. Wer diese noch nicht kennt und Vorinformation vermeiden möchte, sollte vom Weiterlesen absehen. 

Mit Begeisterung und Faszination habe ich jede einzelne Folge der Serie zum Leben Hannibal Lecters zwischen den Geschehnissen der Filme verfolgt, geradezu verschlungen. Vor kurzem habe ich auf Maxdome die dritte Staffel entdeckt - ich habe nicht mitbekommen, dass sie längst gestartet wurde o.o - und natürlich sofort begonnen. Doch was halte ich nun von der Fortsetzung, die sich ganz offensichtlich nicht mehr um das Aufklären von mysteriösen und abartigen Todesfällen dreht, sondern vielmehr um die Jagd nach dem Jäger? Jeder der Hannibals Mordlust überlebte, scheint ihn tot sehen zu wollen. Diese Veränderung der Grundbasis der Geschichte bringt ersteinmal eine Umstellung mit sich. Der Spannungsfokus liegt nun nicht mehr auf Wills Psyche und deren Entwicklung unter Hannibals Einfluss. Vielmehr verfolgen wir nun noch intensiver dessen Schaffen und Maskerade.

Es fehlt ein wenig, zu beobachten, wie Will Tathergänge nachkonstruiert und sich in ihnen verliert. Ganz genesen ist seine Psyche jedoch noch lange nicht. Die Stilmittel die mich hierbei so faszinierten, die so besonders waren und der Serie das gewisse Etwas verliehen, werden nun etwas anders eingesetzt, etwas zu oft und wirken manchmal doch überzogen. Es hat den Anschein, dass hier frei nach dem Motto "viel hilft viel" gedacht wurde. Ein wenig schade in meinen Augen. 

Wer die Filme selbst kennt, insbesondere Hannibal Rising, die Vorgeschichte des kannibalischen Massenmörders, erinnert sich sicherlich noch an dessen japanische Tante Murasaki. Die Frau die miterlebte, wie der junge Lecter Stück für Stück die Peiniger und Mörder seiner Schwester Mischa zur Rechenschaft zog. Einen nach dem Anderen ließ er büßen, bis Murasaki ihn schlussendlich davon abhielt, den Kopf der Truppe selbst zu töten, um diesen stattdessen von Rechtswegen her bestraft zu sehen. 
Die dritte Staffel der Serie hingegen führt zu diesem Zweck eine neue Figur ein. Chiyoh, das Dienstmädchen der Tante soll ihn demnach davon abgehalten haben und hält den Mann seitdem in einem Kerker zu menschenunwürdigen Bedingungen gefangen. Ich störe mich doch ein wenig daran, dass Chiyoh im Film selbst keine Rolle spielte, noch nicht einmal erwähnt wurde und nun aber auf so widersprüchliche Weise in die Geschichte eindringt. Hier werden Wahrheiten verdreht, die schon vor Jahren festgelegt worden waren. 

Nichts desto trotz finde ich die Fortsetzung dennoch gelungen. Die Folgen, die ich bisher sehen konnte, haben nichts von der ursprünglichen Spannung eingebüßt, wenn auch wiederholte Rückblenden zu vergangenen Ereignissen die Chronologie ein wenig verwirrend machen. Und auch jetzt noch darf man mit nicht jugendfreien Szenen und hochvornehmen Dinnerabenden rechnen. Was mich am Ende aber doch etwas schockiert hat, war die Bekanntgabe der Absetzung, aufgrund mangelnder Einschaltquoten. Weder Amazon noch Netflix wollten die Serie aufkaufen und das obwohl der Verlauf der Geschichte eine Fortsetzung so reizvoll machen würde. Wir sollten die Quoten wieder nach oben treiben.

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