mop Geschichtenliebe: Videospiele: Such den Sündenbock

Videospiele: Such den Sündenbock

Videospiele Killerspiele Debatte

Videospiele waren ja schon immer auf die ein oder andere Art verpöhnt. Wer zockt, muss grundsätzlich ein antisozialer Kellerhocker sein, der keinen Kontakt zur Außenwelt und dem realen Leben pflegt. Der gemeine Zocker, weithin auch als Nerd beschimpft, weiß weder sich zu kleiden noch, dass man Wasser nicht nur trinken kann. Er ist grundsätzlich männlich, denn Frauen können das ja gar nicht. Außerdem kann man sich mit ihm nicht unterhalten, denn von normalen Belangen außerhalb der virtuellen Welt hat er keine Ahnung.
Man wird in seinem Leben mit vielen Vorurteilen und festgefahrenen Meinungen konfrontiert. Mal mehr, mal weniger. Langsam wandelt sich die Einstellung der Menschen, Videospiele werden immer mehr zum Allgemeingut und ziehen in die Gesellschaft ein. Ein Vorurteil konnten wir jedoch bis heute nicht abstreifen. Weniger ist es ein Vorurteil, als eine absurde Behauptung, die den Medien zum Fraß vorgeworfen wurde, um Missstände auf der Welt zu erklären: Videospiele machen gewalttätig.

Vor einigen Jahren mussten wir uns lange und oft von den Medien erklären lassen, dass Egoshooter das Übel aller Dinge seien. Mit jedem Amoklauf wurde uns erneut beigebracht, dass das böse böse Videospiel an dieser Tragödie Schuld ist und dass Kinder bitte ganz weit davon fernzuhalten sind. Denn 80% aller Amokläufer haben mal einen Egoshooter gespielt. Ja ihr habt richtig gehört, Menschen erdreisten sich, ihren Frust in einer fiktiven Welt abzuladen. Es ist mir selbst unbegreiflich, wie man zu soetwas im Stande ist.
Dass sich über Videospiele und die großflächige Vernetzung dahinter Kontakte und Freundschaften bilden können, die im Reallife teils niemals möglich wären, müssen wir nun vielleicht nicht weiter ausführen. Ebenso wenig wie den Fakt, dass man im Internet frei von Vorurteilen und Wertung anderer sein kann, wer man ist. Wohingegen einem Menschen in Beruf und Schule das Leben schon sehr schwer machen können, aufgrund gesellschaftlicher Normen und Wertvorstellungen. Stichwort Gruppenzwang und "Dazu gehören". Vielleicht ist das auch ein Grund?

Gestern las ich einen Bericht, der mir die Nackenhaare zu Bergen stehen ließ und mir innerliche Schmerzen verursachte. Die Terroristen des IS haben mit Videospielen trainiert Menschenleben auszuhauchen, hieß es dabei sinngemäß. Und wieder sind die bösen Games aufeinmal an allem schuld? Nein, aber nein danke.
Ich denke niemand wird abstreiten, dass Egoshooter vom amerikanischen Militär genutzt wurden, um die Treffsicherheit der Soldaten zu erhöhen und zeitgleich deren Hemmschwelle zum Töten zu senken. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass jeder Zocker ein gesteigertes Gewaltbewusstsein entwickelt. Mag sein, dass Terroristen sich dieser Mittel bedienen, um Menschen effektiver töten zu können (eine absurde Vorstellung). Bei diesem Gedanken darf man jedoch nie vergessen, dass Vater USA und viele andere Militäreinheiten womöglich das Gleiche tun oder taten. Ebenso wenig darf man vergessen, dass es Terror und Leid auf dieser Welt schon gab, lange bevor der erste Computer erfunden wurde. Dass man anstatt alles auf die Gamingindustrie zu schieben, lieber aufhören sollte, kriegswillige Staaten mit Waffen und Kriegsmaschinerie zu versorgen.

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, meine Meinung zu politischen Themen aus diesem Blog herauszuhalten, doch bei mancher Meldung kribbelt es mich doch sehr in den Fingern. Die Missstände auf dieser Welt sind hausgemacht. Würden die Staaten und Russland nicht im ewigen Konkurenzkampf ständig ein Wettrüsten veranstalten; und würden die Länder weniger Profitgier in den Waffenhandel stecken; und würde man sich weniger in die Probleme anderer Länder einmischen, dann gäbe es auch weniger Grundlage für Krieg und Terror.
Klar, bin ich der Meinung, dass man Länder die im Bürgerkrieg o.Ä. zerbrechen, nicht unbedingt sich selbst überlassen sollte. Doch  unzählige Soldaten in diese Gebiete zu schicken, die töten ohne zu wissen, ob Freund oder Feind vor ihnen steht, ist auch nicht Sinn der Sache. Natürlich entsteht dabei weiterer Unmut in der betroffenen Bevölkerung. Was erwarten wir denn? Dass wir als die hochverehrten Retter aller Länder gefeiert werden?
Wie viel Schuld können Videospiele da denn noch tragen?

Kommentare:

  1. Ich finde zwar, dass man vieles davon nicht so einfach formulieren kann, aber ich kann die Wut im Bauch über das Gequatsche von Christian Pfeiffer (ich nehme mal an, dessen Aussagen sind die, auf die du in dem Text anspielst, oder? Jedenfalls ist das das, was ich dazu bisher so gelesen habe) sehr gut verstehen. Zumal ich den Eindruck habe (schließlich scheint das nicht das erste Mal gewesen zu sein, dass der gegen Games schießt), dass der gute Mann eine Tragödie wie Paris auch einfach für seine eigenen Ideen und Meinungen ausnutzt. Wie auch immer: Ich kann deinen Ärger sehr gut verstehen und hör ja nicht auf, wenn es dir zu etwas in den Fingern juckt, auch darüber zu schreiben. <3
    lg
    Hekabe

    AntwortenLöschen
  2. Zwar habe ich das Ganze aus anderer Quelle als du (hab sie mal eben nachverlinkt), aber genau darauf beziehe ich mich. Dass man vieles nicht so einfach formulieren kann, denke ich auch, aber zum Einen muss man irgendwo einen Strich setzen, der das alles eindämmt. Und zum Anderen ist es ohnehin ein schwieriges Thema.
    Danke, der Zuspruch tut gut :3 Ich werd versuchen, das Kribbeln auszuschöpfen.

    AntwortenLöschen