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Zurück ins Mittelalter

Review zum Manga Inu Yasha
Rezension zum Manga Inu Yasha (Egmont)


Diese Perle der Manga-Kultur hat es bei mir nur zu einem ANGElesen geschafft, da mir – wie man am Bild bereits erkennen dürfte – leider einige Bände fehlen. Inu Yasha war mein erster Anime und ich habe ihn geliebt, tue es noch. Folglich bin ich damals, 9 Jahre jung, in die nächste Buchhandlung gerannt, um mir den Manga zu kaufen. Die hatten allerdings nur Band 18 aufwärts vorrätig, den ich dann schweren Herzens auch mitnahm – Inu Yasha, Band 18, mein erster Mangaband überhaupt, schon dämlich so mittendrin.
Von da an habe ich schließlich weitergelesen, mir die folgenden Bände und ein paar davor geholt, habe aber in meinem jugendlichen Leichtsinn irgendwann die Lust verloren, weil die Reihe doch sehr lang wurde. Heute bereue ich, dass ich nicht beharrlicher war, da man viele der alten Bände nicht mehr so einfach bekommt.

Doch worum geht es überhaupt? Gerade die Jüngeren unter euch kennen den aufgedrehten Hundedämon und seine Freunde vielleicht nicht mehr. Deswegen lade ich euch nun ein, mit mir in der Zeit zurück zu reisen. Erst in die 90er, dann ins Mittelalter und zurück.

Egmont Manga hat mit diesem Werk aus 1996 einen wahren Schatz – in meinen Augen Kulturgut – der Mangageschichte unter seine Fittiche nehmen können. Seite für Seite dürfen wir die Schülerin Kagome verfolgen, die mit ihrer Familie in einem alten Schrein lebt und dort eines Tages in den – eigentlich versiegelten – Knochenbrunnen fällt. Ein Brunnen in den früher die Knochen toter Dämonen geworfen wurden. Als sie nach einem eher erschreckenden Erlebnis aber aus dem Brunnen herausklettert, befindet sie sich mitten im Wald. Kein Schrein. Keine Familie. Nur ein paar seltsam gekleideter und bewaffneter Männer, die sie in ein mittelalterliches Dorf schleppen. Erst als die örtliche Priesterin sie in Augenschein nimmt, wird ihr klar, dass sie sich tatsächlich im Mittelalter befindet. Und nicht nur das. Sie trägt offensichtlich auch ein magisches Juwel in sich, das sie wenig später versehentlich zerstört.
Zusammen mit dem Halbdämon Inu Yasha, der ein ziemlicher Rüpel ist und das Juwel für seine eigenen Zwecke nutzen will, soll sie die Splitter, die sich über Japan verteilt haben, nun wieder einsammeln. Damit beginnt eines der großartigsten Abenteuer meiner Kindheit.

Review zum Manga Inu Yasha


Man sieht dem Manga sein Alter deutlich an. Der Zeichenstil der 1990er Jahre war ein ganz anderer, als man ihn heute von Manga und Anime kennt. Alles ist ein wenig weniger überzogen und dafür etwas realistischer, auch was die Proportionen angeht. Die großen Augen und wilden Frisuren gab es damals zwar auch schon, jedoch auch das eher abgeschwächt. Man reist nicht nur inhaltlich sondern auch Manga-zeitgeschichtlich ein wenig in die Vergangenheit.
Die Meinungen über die verschiedenen Zeichenstile, die sich über die Jahrzehnte durch japanische Comics zogen, mögen auseinander gehen. Ich für meinen Teil finde aber gerade diesen Stil sehr charakteristisch und auch zum Werk passend. Vielleicht schwingt da aber auch einfach sehr viel Nostalgie mit.

Inhaltlich hat Rumiko Takahashi ganze Arbeit geleistet. Nicht nur diese fabelhafte, mit Mythen und Legenden durchzogene, Welt so in Szene zu setzen. Nein, auch sie mit einer solchen Vielzahl verschiedenster Dämonen zu füllen. Von (niedlichen) Tierdämonen bis hin zu wahren Monstern ist alles dabei.
Auch macht es unheimlichen Spaß, die stetig größer werdende Gruppe auf ihren Abenteuern zu begleiten. Wir verfolgen ihr Leben und Leiden, begleiten sie auf der Jagd nach den Juwelensplittern und dem Überwinden ihrer ganz eigenen Schicksale. Denn jeder unserer Freunde hat sein ganz eigenes Leid zu tragen, das auf dieser Reise immer wieder zum Mittelpunkt des Geschehens wird.

Und nicht nur ihre Geschichten machen die Charaktere – Protagonisten wie Antagonisten – zu Unikaten und Freunden. Jeder für sich hat einen speziellen Charakter, Eigenheiten, Angewohnheiten, all das was einen Menschen ausmacht. Sie sind reell und greifbar. Man leidet, weint, lacht und kämpft mit ihnen. Jeden Augenblick.
Mit Naraku ist außerdem für den ultimativen Widersacher gesorgt, der der Truppe immer drei Schritte voraus ist und noch dazu unbesiegbar scheint, selbst wenn sie ihn einmal einholen sollten.

Neben all den Abenteuern und Gefahren hat Takahashi-san jedoch nicht vergessen, dass Kagome eine 15-jährige Schülerin im Prüfungsstress ist, die ihre eigene Epoche, Freunde, Familie und Pflichten hat. Immer wieder dürfen wir sie also in das Jetzt begleiten, wo sie ganz andere Proben bestehen muss. Den Alltag und das Mittelalter unter einen Hut zu bekommen, gestaltet sich zunehmend schwierig.Doch zum Glück hat ihr Opa immer die passende Krankheit parat, um das Fehlen der Schülerin zu begründen.

Und da Shonen – ich würde das durchaus als Shonen betiteln – bekannter Maßen nicht ohne Humor auskommt, sorgen die unterschiedlichen Charaktere der Figuren oft genug für Konflikte der witzigen Art. Vielleicht nicht für sie selbst, aber für uns als Leser. Mirokus Angewohnheit sich an junge hübsche Frauen ranzumachen, Sangos Art ihn abblitzen zu lassen, Inu Yashas Halskette die auf ein „Mach Platz“ seitens Kagomes nur zu deutlich hört, der Dauerkonflikt zwischen Hund und Wolf (Inu Yasha und Koga), all das bringt uns immer und immer wieder aufs Neue zum Lachen und weinen-vor-lachen.
Abgesehen davon ist Shippo einfach zu süß für diese Welt und mit seiner Fuchsmagie ohnehin die Härte. Auch Jaken, der seinem Herrn Sesshomaru-sama (Inu Yashas Bruder) auf Schritt und Tritt folgt, ist ein Fall für sich. Den ich nur zu lieb gewonnen habe.
Die Geschichte strotzt also nur so vor ulkigen und wunderbaren Figuren, Humor und jeder Menge Action und Spannung. Man muss dazu sagen, dass der Manga sehr action- und damit kampflastig ist. Wenn man in dieser Beziehung etwas zart besaitet ist, sollte man sich vielleicht langsam heran wagen. Ansonsten ist das eine echte Empfehlung für alle Shonenfans, sich mal einen älteren Schmöker zu Gemüte zu führen!

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