Ein Kind zum Ehemann

Review zum Manga Mein verfluchter Bräutigam


Natürlich habe ich auch Rezensionsexemplare zu den Neuheiten im Oktober erhalten. Darunter Mein verfluchter Bräutigam, ein Shoujo Manga, der sich ganz treuselig an die typischen Genremerkmale hält und eine kitschig-romantische Geschichte bereithält.
Juliet ist siebzehn Jahre jung und das dreizehnte Kind der Familie, was sie zum sogenannten „Unglückskind“ macht. Sie empfindet sich selbst als nicht sonderlich hübsch und talentlos. Trotzdem ist die beim Volk sehr beliebt. Sie ist warmherzig, hilfsbereit und eine begnadete Bäuerin, obwohl sie aus gutem Hause stammt.
Dennoch ist es ihr nicht vergönnt zu heiraten, da die Familie bereits an ihren neun älteren Schwestern viel Geld für Hochzeiten ausgab und sich eine weitere schlichtweg nicht leisten kann. Also hat sich die junge Juliet mit ihrem Schicksal einsam und jungfräulich zu sterben abgefunden. Bis die freudige Nachricht eintraf, dass es einen Bewerber für sie gab. Den verfluchten Grafen Basil. Freude? Schock? Was tun?

Review zum Manga Mein verfluchter Bräutigam



Der Klappentext spoilert leider bereits den Kerninhalt des ersten Bandes, nämlich dass Juliets künftiger Gatte ein Zwölfjähriger ist. Daraus ergibt sich jedoch eine interessante Situation. Viele Gruselgeschichten ranken sich um den verfluchten Grafen, der seit zwölf Jahren nicht mehr gesehen wurde. Er ernähre sich von Kleinkindern und halte Teufelsrituale ab, heißt es.
Als Juliet im Schloss ankommt, bietet sich ihr jedoch ein vollkommen anderes Bild. Ein zuvorkommender Grafenbruder, eine bildhübsche Mutter. Nur der kleine Junge der beim Empfang anwesend ist, passt nicht ganz ins Bild. Die Familie hat doch nur zwei Söhne. Dass dieser vorwitzige Junge jedoch in Wirklichkeit ihr Ehemann werden soll, nun diesen Schock muss Juliet erst einmal verdauen.

Bis kurz vor knapp fragt man sich, warum Mein verfluchter Bräutigam mehrere Teile haben soll, der kommt doch ganz gut als Einteiler aus. Ja, denkste. Ein paar Seiten vor Schluss gibt es einen Plottwist, der die längere Handlung rechtfertigt und das in guter Shoujo Manier.
Insgesamt ist es ein recht klassischer Shoujo Manga, der ganz offensichtlich eine Zielgruppe junger Mädchen ansprechen möchte. Der Stil ist typisch für dieses Genre, genauso wie die Figuren. Bildhübsch und charakterlich nahezu perfekt. Mit dem frühzeitlichen Setting schafft der Manga außerdem die perfekte Grundlage, den immer noch viel zu verbreiteten Glauben zu thematisieren, dass Frauen nur mit einem schönen erfolgreichen Mann glücklich sein können.
Je älter ich werde, desto kritischer sehe ich solche Inhalte. Bereits mit Haus der Sonne musste ich klarstellen, dass Shoujo nicht mehr ganz mein Interessensgebiet vertritt. Ganz einfach weil es oft gleich ist. Vor allem aber weil viele stereotypischen Merkmale immer und immer wieder durch geleiert werden. Zwar fand ich das in jungen Jahren unglaublich toll und es hat meine Jugend ein Stück weit geprägt – und ich bin sicher, das tut es mit vielen auch heute noch -, doch sehe ich mittlerweile auch die Schwächen darin. Uns wird vorgespielt, dass Liebe, hübsche romantische Jungs und die beste Freundin der Inhalt eines Lebens sind. Und es werden gewisse Muster und Schemata vorgegeben. Das kann gut sein, aber auch Tücken bergen.

Was mich etwas überrascht hat, war die Figur der Hexe in diesem Manga. Eine Hexe die Männer über alles hasst und erst recht, wenn sie gut aussehen. Warum? Sie ist lesbisch. Eine solche Figur wiederum habe ich in Shoujo Manga bisher nicht kennengelernt. Nun stellt sich mir aber die Frage, ob sie von Leserinnen (und Lesern natürlich) als selbstbewusste homosexuelle Frau gesehen wird und ihre Existenz so wie sie ist, etwas Normales und Positives vermittelt. Oder aber ihr Männer feindliches Auftreten ein schlechtes Bild projiziert. Wie empfindet ihr eine solche Figur?

Auch die Ehe und sich aufbauende Beziehung zwischen Juliet und dem jungen Grafen William Basil irritiert etwas. Zwar ist er geistig 22 Jahre alt und verfügt auch über die dementsprechende Reife und Etikette, doch sein zwölfjähriges Auftreten und die Leidenschaft die zwischen beiden entsteht, lässt – zumindest in mir – ein Gefühl von Pädophilie aufkommen. Ohne etwas verurteilen zu wollen, empfinde ich einen (in dem Fall körperlichen) Altersunterschied von fünf Jahren im pubertären Alter doch als etwas viel. In dem Wissen dass William älter ist, wirkt zumindest der Anblick der Küssenden doch eher befremdlich auf mich.

Alles in Allem ist Mein verfluchter Bräutigam eine süße und auch romantische Geschichte für junge Leute. Ich aber fühle mich davon nicht mehr wirklich angesprochen und kann mich auch mit Figuren und Handlung kaum noch identifizieren. Macht das das Alter? Wer weiß. Review/Rezension zum Manga Mein verfluchter Bräutigam

Kommentare:

  1. Ist schon klar wie viele Bände es werden?

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    1. Die aktuelle Angabe von Kazé liegt bei 4+, im japanischen gibt es anscheinend 4 Bände.

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