Ein völlig neues Leben

Rezension/Review zum Manga Daytime Shooting Star

Rezension/Review zum Manga Daytime Shooting Star
Passend zur neulich angekündigten Realfilmadaption möchte ich heute ein wenig über Daytime Shooting Star schwärmen. Ein Manga von dem ich mir anfangs nicht viel erwartete, abgesehen von der üblichen Shoujo-Chose. Zu bieten hat er jedoch schon zu Beginn so vieles mehr, das mich einfach nur überraschte und in seinen Bann riss.

Suzume muss wegen des Jobwechsels ihres Vaters vom urigen ländlichen Dorf zu ihrem Onkel ins große belebte Tokyo ziehen. Obwohl ihr das Leben wahnsinnig eintönig erscheint, will sie diese Veränderung nicht hinnehmen, bleibt mit ihrem Aufruhr aber ungehört.
Wenig später finden wir uns mit ihr in Tokyo wieder. Alles ist so anders. Voller. Bewegter. Lauter. Unpersönlicher. Die Passanten wissen nicht einmal, wo Onkel Yukichi wohnt. Da wo sie herkommt, wusste soetwas jeder. Die Großstadt wirkt fremd und etwas beängstigend. Als sie dann auch noch von einem ominösen Typen angequatscht wird, ergreift sie schlussendlich die Flucht und wird auch noch ohnmächtig.
Der seltsame Kerl erweist sich jedoch als Stammgast in Yukichis Café und derjenige, der sie in ihrem machtlosen Zustand nach Hause brachte. Auch einen Spitznamen findet er für sie. Sumse. Er wird Suzume immer unheimlicher. Bis sie ihm in der Schule wieder gegenübersteht. Als Lehrer und Schülerin.

Rezension/Review zum Manga Daytime Shooting Star

Etwas das ich nie verstanden habe, ist warum Eltern bei einem Umzug ihre Kinder zurücklassen oder bei Verwandten unterbringen, statt sie einfach mitzunehmen. Dieses Szenario findet sich in vielen Manga. Das jedoch nur am Rande.

Daytime Shooting Star hat neben der Romanze die sich ungewollt in Suzumes Kopf entwickelt, nämlich noch sehr viel mehr zu bieten. Zu allererst springen uns hier die charakterstarken Figuren förmlich an. Charakterstark nicht deswegen, weil sie keine Schwächen haben, sondern sehr auffällige Eigenheiten und Verhaltensweisen, die noch dazu unheimlich sympathisch sind.
Gerade Shishio macht sich sehr interessant, mit den zwei Seiten die wir von ihm kennenlernen. Zuerst der quirlige und aufdringliche Typ und dann auf einmal der gewissenhafte Lehrer. Er hat eine abweisend-kühle und eine sympathisch-fröhliche Seite. Ein Charakter in den man sich einfach nur auf den ersten Blick verlieben kann *höhö*. Auch Suzumes Onkel Yukichi ist einem auf Anhieb sympathisch. Er ist ähnlich überdreht wie Shishio, jedoch etwas zurückhaltender und außerdem wahnsinnig liebevoll zu seiner Nichte.

Suzumes Mitschüler Daiki und Yuyuka, die ebenfalls größere Rollen einnehmen, haben ähnlich intensive Charakterzüge. Daiki ist ein sehr schüchterner Junge, der nicht weiß, wie er mit Mädchen umgehen soll. Deswegen ignoriert er sie einfach und ist sehr zurückweisend ihnen gegenüber. Einzig Suzume scheint er zu akzeptieren - mehr oder weniger freiwillig, da sie sich ihm einfach aufzwingt.
Yuyuka hingegen wirkt nach außen hin wie eine liebes süßes Mädchen. Doch bereits ihr erster Kontakt mit Suzume offenbart böswillige Absichten und zeigt uns ihr wahres Wesen. Sie ist gemein und kann schnell verletzend werden, was Suzume jedoch nicht an einer Freundschaft hindert.

Unsere Protagonistin selbst macht einen starken Anti-Eindruck. Sie scheint an nichts wirklich Interesse zu haben, sich für nichts - außer dem faul sein und Schule schwänzen - wirklich begeistern zu können und zeigt keinerlei Emotionen. Eigenschaften die sie recht anstrengend machen. Doch nach einigen Kapiteln können wir auch sie lieben lernen. Von Kapitel zu Kapitel entdecken wir nämlich immer mehr Facetten ihres Seins - und auch dem der anderen. Ihr trockener "Humor" der immer dann zum Einsatz kommt, wenn sie sich nicht zu helfen weiß, macht sie dabei schon wieder sympathisch. Auch die zeichnerische Umsetzung dessen (siehe "danke, aber nein danke") ist einfach genial.

Rezension/Review zum Manga Daytime Shooting Star
Anders als in anderen Shoujo-Titeln dreht sich die Handlung nicht rein um die Liebe. Es wird relativ schnell klar, dass nicht nur Suzumes Schwärmerei für Shishio im Mittelpunkt steht, sondern auch Yuyuka die in Daiki verliebt ist und deswegen erst gemein zu Suzume war. Doch die Geschichte bewegt sich zu einem großen Anteil auch im slice of life Bereich. Das Alltags- und Schulleben der Freunde rückt immer häufiger in den Mittelpunkt und lässt aus gewöhnlichen Situationen erst romantische Spannungen wachsen. Eben so wie es das wahre Leben auch tut.

Die Darstellung der Romantik ist ebenfalls ein Fall für sich. Vielleicht liegt es aber auch einfach an Shishios Charakter. Denn der sorgt immer wieder für Aha-Momente, sowohl bei Sumse als auch uns Lesern. Zwischen den beiden entsteht eine verwirrende Anspannung, die 1:1 so aus dem Leben gegriffen sein könnte. Einerseits gehen sie freundschaftlich miteinander um und geraten immer öfter in prickelnde Zweisamkeit. Andererseits versucht Shishio eine gewisse autoritäre Distanz zu wahren, immerhin ist er ja Sumses Lehrer. Diese Distanz glaubt er sich wahrschlich selbst nicht wirklich. Doch andererseits werden wir auch nicht wirklich schlau aus ihm. Es ist völlig unklar, ob Shishio sich um Suzume kümmert und eine freundschaftlich angehauchte Beziehung zu ihr pflegt, weil er sie mag, weil sie Yukichis Nichte ist, vielleicht weil er sie als eine seiner Problemschüler sieht und helfen will, weil er auch Gefühle für sie entwickelt oder einfach weil es seine Art ist. Er und seine Beweggründe bleiben ein Rätsel.

Rezension/Review zum Manga Daytime Shooting Star
Der Titel Daytime Shooting Star rührt übrigens von einem Erlebnis aus Suzumes Kindheit her, das relativ zu Beginn beschrieben wird. Einer hell am Tag leuchtenden Sternschnuppe die einer verirrten kleinen Suzume den Heimweg wies. Ein Stern so hell wie die Sonne, obwohl man ihn nur nachts sehen dürfte. Von diesem Ereignis zehrt Suzume noch jetzt und beginnt sogar Parallelen zu ihrem neuen Leben zu ziehen und Menschen mit diesem Stern zu vergleichen.

Für diesen tollen Manga gibt es von meiner Seite eine eindeutige Leseempfehlung. Die Charaktere sind hier absolut überzeugend und authentisch und die Geschichte ist liebevoll umgesetzt. Dabei ist sie auch nicht unbedingt vorhersehbar, allein schon weil Suzume eine verpeilte und teilweise unberechenbare Person ist. Auch der Zeichenstil kann sich sehen lassen. Wenn ihr dann noch etwas für Lehrer-Schüler-Schwärmereien übrig habt, lohnt sich ein Blick auf jeden Fall!

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