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Rezension/Review zum Manga Unterm Wolkenhimmel
Rezension/Review zum Manga Unterm Wolkenhimmel (Kazé)

Wenn man sich in der Mangawelt nach Samuraigeschichten umsieht, wird man schnell fündig. Doch auch bei gleicher Thematik und ähnlichen Zeitepochen unterscheiden sich die Charaktere und Geschichten, ja sogar die Umsetzung oft um Lichtjahre. Das bringt nicht nur viele verschiedene Facetten mit sich, sondern macht das Lesen und Sammeln verschiedener Werke umso interessanter. Deswegen möchte ich heute ein wenig über den Manga Unterm Wolkenhimmel sprechen.

Wir schreiben das elfte Jahr der Meiji-Ära (etwa 1878) in der Präfektur Shiga. Die drei Kumo-Brüder sind Nachkommen einer alten Familie von Fährschiffern, die nun im Dienst der Regierung arbeiten. Sie setzen Häftlinge auf die Gefängnisinsel inmitten des Biwa-Sees über. Doch nicht nur das. Die Brüder sehen es ebenfalls als ihre Pflicht an, Shiga und seine Bewohner zu beschützen.
Sie sorgen für Frieden in ihrer Heimat und bannen jegliche Gefahr, die von Wegelagerern, Banditen oder Verbrechern die übergesetzt werden sollen, ausgeht. Doch es gibt noch etwas anderes, das den Frieden bedroht.
Der Himmel über Shiga ist stets bewölkt, lässt niemals auch nur einen Sonnenstrahl hindurch. Man erzählt sich, dass dahinter ein uraltes dämonisches Wesen steckt, das einst im Biwa-See versiegelt wurde, jedoch alle 300 Jahres ausbricht und zu neuem Leben erwacht. Ein Monster das die Welt vernichten will.

Rezension/Review zum Manga Unterm Wolkenhimmel

Anfangs erinnerten mich die Geschichte und Charaktere ein wenig an Rurouni Kenshin, nicht zuletzt, weil sich alles zur selben Zeit abspielt. Doch es wird schnell klar, dass sich die beiden Werke in vielem unterscheiden. Während Kenshin recht realitätsnah gehalten ist, kommt in Unterm Wolkenhimmel sehr schnell eine höhere Macht und deren Bannung beziehungsweise Vernichtung ins Spiel, was der Geschichte ein paar Fantasy anmutende Elemente verleiht.

Auch in anderen Punkten gibt es zwar Ähnlichkeiten, aber noch deutlichere Unterschiede. Obwohl beide Werke die Meiji-Ära und ihren strukturellen Umschwung der Regierung als Rahmen gewählt haben und somit auch die Veränderungen der Kampfkünste und Lebensstile thematisieren - gerade für ehrenvolle Samurai eine schwierige Zeit -, setzen sie unterschiedliche Prioritäten. Denn obwohl sich auch Unterm Wolkenhimmel stark mit den damals vermerht aufkommenden Ronin (*herrenlose vagabundierende Samurai) auseinandersetzt und einige Kampfszenen beinhaltet, erweckt es doch den Anschein, der Manga habe vor eben diesen etwas Angst.
Zwar weist er einige dynamische Panels auf und spielt mit Schlagabtauschen, doch so recht in Fahrt kommen wollen die Kämpfenden nicht. Ein einzelner Schwerthieb hier, ein K.O.-Schlag da. In wenigen Panels sind Kämpfe abgehandelt und schnell wieder vergessen. Sie wirken trotz ihrer Wichtigkeit für die Zeit der Unruhen und die Bedrohung durch einen Dämon doch eher nebensächlich.

Rezension/Review zum Manga Unterm Wolkenhimmel

Band eins enthält nur wenig der eigentlichen Story, dafür aber eine sehr spannende Vorgeschichte zur Handlung. 600 Jahre zuvor treffen wir einen Vorfahren des Kumo-Clans sowie ein paar andere Figuren, die auf die ein oder andere Art im späteren Verlauf noch einmal wichtig sein werden beziehungsweise mit anderen Charakteren verknüpft sind. Diese kleine Truppe begleiten wir dabei auf ihrer Mission den Dämon Orochi ausfindig zu machen und zu bannen. Denn Orochi manifestiert sich alle 300 Jahre im Körper eines Menschen, um von dort schließlich auszubrechen und die Welt zu vernichten.
Innerhalb dieser zwei Kapitel umfassenden Bonusstory erleben wir, wie der Dämon gebannt wird und welche Auswirkungen er auf die Menschen hat, noch bevor wir überhaupt wissen, dass er für die Kumo-Brüder auch von Belang sein wird.

Dann kehren wir zurück in die Meiji-Ära und werden allmählich sachte darauf gestoßen, dass Orochi erwacht und die Menschen bedroht. Doch auch über die Brüder, ihre Stärken und Schwächen und ihre Beziehung untereinander erfahren wir etwas mehr.
Tenka, der älteste der Drei, ist das Oberhaupt der Familie und der Beschützer der Shiga Präfektur. Er ist ein hervorragender Kämpfer und fürsorglicher Bruder. Um seine kleinen Brüder nicht zu belasten oder in Gefahr zu bringen, versucht er sie aus Verbrecherjagden und der Suche nach Orochi herauszuhalten. Außerdem hat er einen sehr überschwänglichen und extrovertierten Charakter.
Soramaru, das Sandwichkind, ist sehr pflichtbewusst, im Kampf jedoch noch ungeschickt. Er trainiert täglich, um so stark zu werden wie Tenka, verzweifelt jedoch an seiner eigenen Schwäche. Er übernimmt viel Verantwortung, kümmert sich um das Essen und den kleinen Bruder, fühlt sich jedoch stets selbst als der naive Jüngere im Vergleich zu Tenka.
Der Jüngste, Chutaro, ist noch zu klein, um sich wirklich um die Gefahren der Familie zu sorgen und trainiert auch kaum die Schwertkunst. Er ist ein fröhliches und sehr naives Kind, sehr auf seine beiden Brüder und ihr Lob fixiert, will ihnen gefallen. Aber er ist ebenfalls ein kleiner Herumtreiber und ein Lebemännchen, das viel Unfug macht und Freude daran hat.

Allein die Brüder sind drei sehr unterschiedliche Charaktere, die viel Abwechslung in die Geschichte bringen und mit ihrer offenen Art für ordentlich Witz sorgen. Doch neben ihnen steht noch ein weiterer Charakter der zu Beginn eher nebensächlich wirkt, sich aber im Verlauf als wichtige Figur erweist. Der Verwalter des Kumo-Schreins Shirasu (Cover von Band 2). Er stellt das exakte Gegenteil der Brüder dar. Während sie weltoffen und etwas leichtgläubig sind, ist Shirasu ein zurückhaltender und übervorsichtiger Mensch. Er misstraut grundsätzlich jedem. Außerdem ist er eine ruhige Natur und verkörpert einen schlichtenden und beruhigenden Pol im Schrein.    

Rezension/Review zum Manga Unterm Wolkenhimmel

Alles in allem ist Unterm Wolkenhimmel ein interessanter Manga mit ausreichend Spannung und angenehmen Charakteren. Die abgeschwächte Action macht ihn gerade für weniger brutalitätsaffine Leser interessant. Im Vergleich zu anderen Samuraigeschichten weist er wenig brutale Szenen und bisher kaum Blut auf, sodass auch Zartbesaitete beherzt zurgreifen können. Eine sich immer weiter aufbauende Handlung mit unerwarteten Schlenkern macht das Ganze rund. Der Manga ist sicherlich kein Meisterwerk, aber auf jeden Fall einen Blick wert und mit gerade einmal sechs Bänden auch nich zu lang.
Und für Coverfetischisten wie mich ist der dazu noch ein wahrer Augenschmaus! (Die goldenen Farbelemente glänzen *^*)

Rezension/Review zum Manga Unterm Wolkenhimmel

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