Wir sind alle Menschen

Review zu Life is Strange Episode 2


Vor kurzem habe ich ein wenig über die erste Episode Life is Strange gesprochen und mich dabei recht allgemein gehalten. Inhaltlich habe ich mich eher zurückgehalten, um unnötige Spoiler zu vermeiden. Mit Fortschreiten der Geschichte, ist es allerdings schwierig, nicht auf den Inhalt ein einzugehen. Heute möchte ich grob das bereits Geschehene anreißen und dann über mein Erlebnis mit Episode zwei sprechen. Wenn du also noch nicht weißt, was in diesem Spiel passiert und es gerne selbst erleben möchtest, dann sei mit dem heutigen Beitrag vorsichtig.



Aller Anfang

Wenn man Life is Strange das erste Mal startet, wird man mit Emotionen und Erlebnissen überschüttet und muss diese erst einmal verarbeiten - dieses Gefühl bleibt hoffentlich auch erhalten. Es passiert so unglaublich viel, bevor man überhaupt realisiert hat, wo und wer man ist.

Erst erfährt man auf recht harte Weise von diesen mysteriösen Kräften, die einen die Zeit manipulieren lassen und anscheinend auch etwas mit den Tagträumen oder Visionen von der Vernichtung der Heimat zu tun haben. Und dann steckt man mittendrin im Chaos. Chloe wird erschossen und man verhindert es. Eine falsche Antwort? Kein Problem. Zurückspulen und die Richtige geben. Wenn es doch nur so leicht wäre. Man muss sich entscheiden, auf wessen Seite man ist.
Hängt man Nathan Prescott für die Waffe im Mädchenklo dran? Überlässt man Kate Marsh ihrem harten Schicksal oder steht man ihr zur Seite? Verspottet man die verschnöselte Victoria oder ist man wider jeder Logik nett zu ihr? Lehnt man sich gegen David Madsen, den Sicherheitsbeauftragten der Uni und zu allem Überfluss Chloes Stiefdümpel, auf oder geht man dem Ärger aus dem Weg? Ist es Chloes Joint oder der eigene?

Es ist der Alltag den man durchlebt und doch ist alles anders. Als sonst. Anders als früher. Anders als es sein sollte. Nicht normal. Doch was heißt schon normal?

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Freunde fürs Leben

In Episode zwei steigt man dort ein, wo der erste Teil endete. Man durchlebt eine Wiedergeburt - oder ein Erwachen - der lange verblassten Freundschaft zwischen Max und Chloe. Alles dreht sich irgendwie um die beiden. Und Chloe will herausfinden, wie weit Max' Kräfte gehen. Mit einer Waffe im Anschlag machen sich die beiden auf zu Chloes geheimem Lieblingsort.
Dass der Schrottplatz aber nicht für Chloe besonders ist, merkt man recht schnell, während man so umherstreift. Und ein wenig tut es weh, all das zu sehen. Es stellt nicht nur Max sondern auch den Spieler vor ein beklemmendes Gefühl. Freut man sich darüber, dass sie mit Rachel eine so gute treue Freundin gefunden hat oder verbittert es einen, dass eine andere diesen Platz eingenommen hat? Überall finden sich Erinnerungen und Freundschaftsbeweise der beiden.

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Und auch hier steht man wieder vor Entscheidungen. Wohin soll Chloe schießen, um alle Flaschen umzunieten? Und wie verhindern wir, dass sie sich dabei selbst erschießt? Sollen wir Frank mit der Waffe bedrohen, um unserer Freundin zu helfen oder klein beigeben? Wie weit geht Freundschaft? Wie weit geht Max für diese Freundschaft?

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Doch nicht nur Chloe spielt in dieser Episode eine wichtige Rolle. Zu oft konnte man mit Kate sprechen, ihr liebe Worte mitgeben, ihr Ratschläge zu ihrer Situation geben und für sie da sein. Eigentlich hätte man es ahnen müssen. Hat man aber nicht. Umso größer war der Schock, wenn man zur Uni zurückkehrte und die Meldung vom Mädchenhaus hörte. Schaulustig rannten alle dorthin. Wer weiß, was sie erwarteten dort zu sehen. Doch was sie sahen, hatten sie sicher nicht erwartet. 
Für eine Sekunde verfiel man in Panik, wenn die Kamera langsam durch den strömenden Regen nach oben schwenkte und den Blick freigab auf eine verzweifelte Kate. Eine Kate die aufgegeben hatte. Doch ihren Tod konnte man nicht einfach mitansehen, man konnte ihn nicht verantworten! Und dann der nächste Schock. Nein kein Schock. Das Herz stockte. Für einen Moment hörte man auf zu atmen. Es war vielmehr ein Gefühl innerer Leere. Anspannung. Angst. Höchste Konzentration. Verzweiflung. Die Zeit schien still zu stehen. Vögel und Regentropfen gleichermaßen hingen in der Luft, Menschen wurden zu Statuen. Nur Max, Max schleppte sich gequält aufs Dach des Gebäudes.
Ein Herz zerreißender Dialog soll Kate davon abhalten zu springen. Erneut zu springen. Man hatte doch bereits zurückgespult. Man hatte ihren Tod doch bereits mitangesehen. Nicht noch einmal, bitte! Kann man Kate retten?

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Auch in Episode zwei wird wieder unschätzbarer Wert auf Freundschaft und das soziale Miteinander gelegt. Dieses Spiel ist ein wunderbares Aushängeschild für all die Facetten die der Mensch annehmen kann. Für all das Leid das er verrichten kann. Und für all die Liebe die er geben kann. Diese Aspekte sind unglaublich gut gelungen und fühlen sich so wirklich an, dass man sich in die Schule oder Uni zurückversetzt fühlen kann - wenn man all das nicht ohnehin gerade erlebt.
Doch auch eine Unterhaltung mit den weniger im Mittelpunkt stehenden Mitmenschen kann sich lohnen. Es gibt so viele Charaktere, die man kennenlernen kann. Ruhig und ausgeglichen. Verschlossen und mit sich im Reinen. Ausgeflippt und geeky. Treuherzig. Biestig. Fame.
Selbt Madsen hat hier einen Dialog mit Max, der ein ganz anderes Bild auf ihn wirft. Ein Bild das man so vorher nicht hatte und vielleicht auch bewusst ablehnen möchte, weil er einer der Unsympathen des Spiels ist. Doch in dieser Unterhaltung verliert er Worte über Max und Chloe, die ihn für einen Moment lang liebevoll wirken lassen.
Es sind einfach Menschen, die einem in diesem Spiel begegnen.

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Review/Rezension zu Life is Strange Episode 2

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